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Gothic Lolita Kleid kariert
Gothic Lolita Kleid kariert Copyright 2005 | www.dark-fashion-shop.de

 Gothic - Gothic Lolita Kleid kariert  
Entzückendes Kleidchen im Gothic Lolita Style. Dieses Kleid wurde aus kariertem Stoff gefertigt und mit Rüschen, Schleifen und Schnürungen verziert.

Material
100% Polyester

66,66 €    Detailinformationen    ArtNr | 05305

Gothic – eine Subkultur ohne Einheitsmaß
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Der Begriff „Gothic“ scheint selbst heute noch als diffus empfunden zu werden. Manch einer mag sich tiefer mit der Materie befasst haben, als andere und dennoch kommt es immer wieder zu der Beschränkung auf Okkultismus oder Satanismus. Natürlich gab und gibt es Anhänger dieser Subkulturen, aber nicht jeder, der sein Äußeres pflichtbewusst mystisch angehaucht, dunkel oder gar auffällig hält, fällt automatisch in diesen Bereich. Es scheint den Menschen um die Goths herum schwer zu fallen, zu verstehen, dass auch diese Subkultur sich ständig weiterentwickelt, verändert und einer konstanten Bewegung unterworfen ist. Auch die Herkunft des Begriffes ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Einzig die Tatsache, dass sich die Geburtsstätte im englischen Raum befindet, scheint klar zu sein. Wobei auch hier wieder zu bemerken gilt, dass die Wurzeln in Großbritannien nur eine kurze Erscheinungsform waren, während in Deutschland ein tatsächliches Lebensgefühl entwickelt wurde. Besonders in Ostdeutschland befasste man sich mit Werten und Idealen, die besonders aus Musiktexten hervorgingen.

Ein Zusammenhang mit den Gothic-Novels oder der Epoche der Gothik scheint durch ein einziges Wort herzustellen zu sein, das alle gemeinsam haben: schaurig. Auch besitzen sie alle die gleichen Züge. Detailverliebtheit, außerordentliche Faszination und das „Besondere“ sind nur einige der Übereinstimmungen. Dennoch ist das eine nicht vom anderen entstanden und hat eigentlich auch nichts miteinander zu tun – vordergründig. Leider ist es immer noch die vermutete Pflicht der Gesellschaft, sich um ein ansehnliches Allgemeinbild zu kümmern. Selten wird man es einem Bänker ansehen, dass er privat seine Erfüllung im Gothic findet oder eine Kindergärtnerin, die mit ihren kunstvollen Verzierungen im Gesicht dem Nachwuchs gegenübertreten darf. Selbst diese öffentliche Einschränkung wird aber von den meisten Vertretern der Subkultur gerne hingenommen und auf weniger auffällige Art umgesetzt, denn viele Vertreter verfügen über einen ganz wichtigen Wesenszug: Toleranz. Wir sprechen hier nicht von den kurzfristigen Sympathisanten des Gothic, die auf dem Wege ihrer Entwicklung einen kurzen Zwischenstopp einlegen. Jene, die ihre Erfüllung im großen, individuellen Kreis der „Abtrünnigen“ gefunden haben, sind es, die meist über mehr Friedfertigkeit verfügen, als eine Hausfrau, die sich durch Medienberichte oder aufgrund falscher Annahmen ihre Meinung bildet.

Schnell stellt sich die Frage, was Gothic eigentlich ist. Und wieso entsteht ständig die Verbindung zum Satanismus? Gothic ist nicht nur eine kommerzielle Musikrichtung (geworden). Es ist ein Lebensgefühl, eine innere Einstellung zur Weltoffenheit. Die Hinterfragung vieler allgemein hingenommener Gesichtspunkte steht oft im Vordergrund. Gothic ist durch so viele Einflüsse entstanden, dass eine Unterscheidung zwischen den einzelnen Gruppierungen nicht immer gelingt und häufig nur durch näheres Hinsehen und eine intensive Beschäftigung mit den jeweils bevorzugten Themen notwenig wird. Wie in jeder Gemeinschaft gilt auch hier der Individualismus. Manch einer hat sich dem Vampirismus verschrieben, andere frönen der mittelalterlichen Kultur und wieder andere finden ihr Seelenwohl bei Odin und den Göttern des Nordens. Schon früher verbrannte man Frauen und Männer, die als Hexe und Hexer bezeichnet wurden. Die Flamme der Gesellschaft ist heute das Wort. Es legt sich wie qualmender Rauch über die Gesamtheit der Subkultur und lässt keinen flüchtigen Blick auf das Darunterliegende zu. Nur, wer es wagt, sich durch ihn hindurch zu kämpfen, die erdrückende Allgemeinheit beiseitezuschieben, der wird die Vielfältigkeit des Gothic erkennen.

Musik ist eine Möglichkeit, zu empfinden
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Musik ist oft ein Impulsgeber für die Entstehung neuer Jugendkulturen. Der Zuhörer erlebt sie auf emotionale Weise, sie dient als Ventil für Wut, Angst oder Trübsinn und bietet zugleich eine Fluchtmöglichkeit – zumindest geistig – aus dem Alltagsgeschehen.

Wie in jeder Kultur ist Musik auch im Gothic ein willkommenes Mittel, sich zu finden, spüren oder auszudrücken. Wo stehst Du? Wer bist Du? Was empfindest Du? Die Worte, die einem selbst oft fehlen, finden sich in den Texten der einschlägigen Bands wieder. Im weitesten Sinne lässt sich behaupten, Gothic-Musik ist ein Nachfahre der britischen Rockmusik. Hier zeigt sich am deutlichsten: Gothic ist nicht gleich Gothic.

Zum einen finden sich hier der Gothic Rock und der Gothik Punk. Er wurde geprägt durch gitarrenlastige Musik und findet seinen Ursprung im Punk der 80ger Jahre. Er bildet quasi den Ursprung der Gothic-Bewegung auf musikalischem Terrain. „Bauhaus“, „Siouxsie and the Banshees“ oder „Fear Cult“ prägten diesen Bereich maßgeblich. „Christian Death“ – gegründet 1979 in L.A. – brachte mit provozierenden Texten ehemalige Punks und ältere Vertreter zum Gothic. Susan Janet Ballion – die Frontfrau der Siouxsie & the Banshees – nutzte die schwarze Kleidung, um zum Beispiel gegen gängige Schönheitsideale zu rebellieren. Sie übte Kritik an gesellschaftlichen Entwicklungen auf ihre eigene Weise, fand Zuhörer auf den verschiedensten Bühnen und prägte eine wesentlich introvertiertere, morbidere Richtung. In ihrem Accessoirebestand fanden sich auch okkulte Symbole, wodurch sie zu entsprechenden Themen anregte.

Etwa zur selben Zeit entstand in den USA der Death Rock oder Horrorpunk. Diese Richtung entwickelte sich zwar unabhängig von den britischen Wurzeln, war allerdings in den frühen 80er Jahren stark dadurch beeinflusst worden. Als Gothic bezeichnete man zu Beginn der musikalischen Veränderungswelle als einen dem Punk entwachsenen Musikstil. Die Punk-Szene begann, sich in Subgenres aufzusplitten. Gothic war geboren. Die Band „Xmal Deutschland“ zählt zu den ersten deutschen Gothic-Acts im Rahmen der Neuen Deutschen Welle. Ihr größter Hit „Incubus Succubus“ füllt bis heute die Tanzflächen der Clubs.

Batcave ist nicht nur die Bezeichnung eines Londoner Clubs, der als Treffpunkt für die „New Romantics“ fungierte, sondern unter Kennern auch der Begriff für Gothic Punk. Von der anderen Seite des Atlantiks schwappten Klänge herüber, die unter dem amerikanischen Namen Death Rock vermarktet wurden, aber im Prinzip nur das Pendant zum Gothik Punk darstellen. Wave oder Dark Wave waren mehr eine unumgängliche Gipfelung der ursprünglichen Musikrichtung, als eine gewollte Veränderung. „INXS“ oder „Depeche Mode“ sind nur zwei der Wegbereiter für einen weiteren Zweig dieser umfangreichen Musikkultur. Gothic und Dark Wave findet man häufig nebeneinander. Nur fälschlicherweise wurden Gothic Rock und Gothik Punk dem Dark Wave zugeschrieben, da die beiden Stile innerhalb der New-Wave-Bewegung entstanden sind.

Hier ergibt sich eine weitere Absplittung. Die Heavy-Metal-Kultur ist - wie Gothic auch - meist Vorurteilen und einem gesamtheitlichen „über einen Kamm scheren“ ausgesetzt. Auch dieses Genre muss sich immer wieder damit auseinandersetzen, dem Satan verfallen zu sein. Der Gothic-Metal versteht es, eine herrliche Verbindung aus tiefen Männer- und hohen Frauenstimmen hervorzubringen. Wegweiser für den Gothic Metal waren in den frühen 90gern Bands wie „Paradise Lost“, „Tiamat“ oder „My Dying Bride“. Die Verbindung von orchestralen Klängen mit der Gegensätzlichkeit weiblicher und männlicher Stimmen wird heute noch bei Bands wie beispielsweise „Within Temptation“ oder „Nightwish“ gerne verwendet. Wie viele andere verstehen sich Letztere eigentlich nicht als Gothic-Band, sondern eher als Symphonic-Metal-Band.

Während den einstigen musikalischen Symbolen der Gothic-Kultur noch deutlich die Nähe zum Punk anzumerken war, kletterten im Laufe der Jahre nicht nur die Zugehörigkeitszahlen, sondern auch die bpm´s. Hier ergibt sich eine weitere Absplittung. Während bei den gerade erwähnten Richtungen die mehr oder weniger langen Haare durch die Luft gewirbelt wurden, stampfen nun die charakteristischen Stiefel auf den Boden. Wo vorher Gitarrensolos die Luft zerrissen, wurden nun die Leiber zu Techno-Rhythmen, EBM (Electronic Body Music) oder Industrial bewegt. Gerade die Richtung EBM ist noch von melodischer Härte geprägt, die durch harte Beats und kräftige Männerstimmen einen treibenden Takt ergeben. „Apoptygma Berzerk“ ist nur einer der Namen, die diese markante Richtung bis heute in Verbindung mit verschiedensten Künstlern aus einer Nische heraus ins Rampenlicht rücken. Indurstrial dagegen ist nur etwas für die wirklich Hartgesottenen. Hier zählen nicht mehr der rhythmische Klang von Melodien oder nachdenkliche Texte, sondern diese Form ist ein pures Extrem. Schreiende, schlagende oder kreischende Geräusche, verbunden mit gelegentlichen Sätzen verbaler Ergüsse, benötigen eine passende Stimmung, um geliebt zu werden.

Für fast jede Richtung, außerhalb der Gothik-Bewegung, gibt es eine Abwandlung für die düstere Gesellschaft. Electrogoth bezeichnet elektronisch arrangierte Musik aus dem Techno-Bereich, Future-Pop- oder Electro-Pop-Elemente, die aber alle unmittelbar aus der Szene des Gothik entstammen. Völlig unbeeinflusst vom Techno in den 90gern blieb hingegen die „Neue deutsche Todeskunst“. Hierbei handelt es sich um meist gesprochene Texte mit Hintergrundmusik. Selbstredend wird auch hierbei wieder zum Nachdenken und Hinterfragen angeregt. Das Gothic jedoch nicht immer noch düster ist, beweist die umfangreiche Liebe zum Mittelalter. Auch die aus der Epoche stammende Musik gehört zu den bevorzugten Klängen vieler „Goths“. Dudelsack, Laute, Harfe oder Leier werden entweder pur, mit Texten in beispielsweise altdeutsch oder Latein sowie mit Elementen verschiedenster Musikrichtungen (Metal etc.) vereint genossen.

Als Ende der 1990er Jahre ein kommerzieller Versuch der Vermarktung aufkam, wurde der Begriff „Gothic“ als Aushängeschild auch für andere kulturelle Strömungen und Musikformen verwendet. Der „schwarze Mantel“ hat sich viel zu weit ausgedehnt und wird kaum mehr in seiner ursprünglichen Bedeutung wahrgenommen. Ein Hype um Musikgruppen wie beispielsweise HIM, Marilyn Manson, Oomph! oder Nightwish wurde in die Gothic Richtung getrieben und damit verbunden. Gothic schien für die „Macher“ so anziehend zu sein, dass sogar versucht wurde, Retortenbands wie „Nu Pagadi“ als Gothic Act zu vermarkten, ohne die wirkliche Strömung aufzunehmen. Mit der Szene oder der typischen Musik haben sie alle nicht wirklich viel zu schaffen, da sie eher dem Bereich der Alternativ-Bewegung zugehören. Fans dieser Musikrichtungen werden meist der Gothic-Szene zugeordnet. Außenstehende erkennen nicht, dass diesen entstandenen Fan-Kulturen der Bezug zu Gothic fehlt.

Streng genommen würden selbst beispielsweise Metal, Dark Rock, Elektro, Industrial, Neofolk oder Mittelalter Rock nicht zu der ursprünglichen Basis von Gothic gezählt werden. Die hier aufgeführten Musikrichtungen sind keine Auflistung des vollständigen Umfangs. Die Essenz dieses Textes ist die, dass Gothik ebenso verschieden gelebt, übermittelt und präsentiert werden kann, wie die Musik. Es besteht kein einheitliches Denken, Vorschriften über die Kleidung oder sonstige Zwänge. Wichtig ist, wie in jedem Bereich, den Individualismus zu bewahren.

Das oft diskutierte Schwarz
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Viele Menschen sehen nur eine schwarz gewandete Person und denken gleich das Schlimmste. Warum wird Schwarz immer wieder in Verbindung mit etwas Bösem genannt? Wenn es wirklich die „Farbe“ der Unterwelt, Dämonen und des Unmenschlichen wäre, warum tragen dann die Vertreter von Kirchen und Klöstern ebenfalls die meiste Zeit schwarz?

Johny Cash landete mit seinem Song „Man in Black“ nicht nur einen Hit, sondern erklärt in seinen Zeilen auch so manches. Auch wenn er nicht zu der Musik im Gothic gehört, ist das, was er singt, häufig mit den Ansichten eines Goth vereinbar. Er trägt schwarz für jene, die nicht in der Gesellschaft ganz oben stehen, für die Opfer der Zeit. Für jene, die niemals die Möglichkeit für Bildung oder Gerechtigkeit hatten. Johny Cash versuchte scheinbar schon damals, mit den Zeilen des Songs auf eine gesellschaftliche Ungerechtigkeit hinzuweisen. Trauer war auch bei ihm schon ein Thema. Er trug schwarz, für jene, die unschuldig in den Kriegen starben. Jene, die dachten, der Herr und die Gesellschaft wären an ihrer Seite. Bis jeder einzelne Mensch begreifen würde, dass etwas zu ändern ist und sich selbst bewegen würde, sang Johny Cash, würde man ihn nicht in einem weißen Anzug sehen. Er versucht ein wenig Dunkelheit auf dem Rücken zu tragen, bis die Dinge offensichtlicher würden.

Die schwarze Kleidung – so scheint es jedenfalls – ist nur durch die Meinung des Mainstreams mit etwas Negativem behaftet. Keiner wird jemals fragen, warum ein Anderer ständig blaue Jeans oder bevorzugt Sachen in Rot, weiß, gelb oder grün trägt, da es einfach mit nichts „unnormalen“ verbunden wurde. Bereits im Existenzialismus war Schwarz eine bevorzugte Färbung der Kleidung. Die Menschen, die sich zu damaligen Zeiten zusammenschlossen, um Sartre zu lesen und über das Leben nachzudenken, waren mit ebensolchen Vorurteilen konfrontiert, jedoch nicht mit etwas Dämonenhaften oder Bösem betitelt. Im höchsten Fall hätte man sie als weltfremd bezeichnet, was aber wieder die Meinung der allgemeinen Gesellschaft darstellen würde, die es nicht wagt, einfach einmal über den Tellerrand zu blicken.

Im Internet geistert ein Gedicht umher, welches von „Ancient le Grey“ stammt. In den Zeilen wird sehr emotional dargestellt, warum Schwarz nicht gleichbedeutend mit dem Bösen ist. Es wird darauf hingewiesen, dass das Böse sich auch von Zeit zu Zeit unter dem schützenden Mantel des gleißenden Lichtes verbirgt, um die Menschen über seinen Charakter hinweg zu täuschen. Diesen Umstand erfährt jeder Mensch täglich, wenn er einem anderen ins Gesicht lächelt, um hinterrücks getäuscht zu werden. Blendung und Täuschung sind nicht im selben Atemzug mit Dunkelheit zu nennen, gerade, wenn man die Aufmerksamkeit auf die Medien und die weltlichen wie auch geistlichen Nachrichten richtet. Die Erde und der Mutterleib werden in den Worten des Schöpfers als dunkel und schützend bezeichnet. Blickt man auf das eigene Leben, wird auch jedem, der sich nicht im Bereich des Gothic aufhält, klar, dass diese Worte keine falsche Aussage in sich tragen. „Alles Gute wächst im Dunkel, bevor es stark genug ist, ins Licht zu treten!“ Mit diesem Satz wird das Gedicht beendet und sollte auch hier das Thema schließen.

Gothic, Cyber, Gruftie – ist doch alles das Gleiche, oder?
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Wer schon beim Lesen der Überschrift den Atem angehalten hat, der sei beruhigt. Auf diese Frage gibt es nur eine Antwort und die lautet definitiv: nein! Der Zahn der Zeit nagt nicht nur an den Menschen, er bringt auch immer weitere Entwicklungsformen und Splitterkulturen hervor. So, wie zu Beginn der Bewegung die schwarz gekleideten Menschen noch gerne als Gruftis bezeichnet wurden, entwickelte sich daraus bald die Gothic-Szene. Das Ursprüngliche am Gothic blieb in der Wertvorstellung, dem Handeln, dem Denken nicht bei allen Vertretern haften. Sie entwickelten andere Richtungen, Stile, nahmen weitere Einflüsse hinzu. Leider kommt es bei den so genannten „Hardlinern“ zwischen den Splitterkulturen immer wieder zu Auseinandersetzungen, wenn auch meist „nur“ verbal. Die bezeichnende Toleranz der Gothics wird dann – natürlich wieder verallgemeinert – infrage gestellt. Die Beschreibungen der hier genannten, einzelnen Splitterkulturen sind nicht als zwingend zu betrachten, sondern geben nur einen groben Grundriss wieder. Jeder Anhänger einer Kultur ist immer noch ein Individuum und muss sich nicht zu 100 % dem gängigen Bild anpassen.

Batcave
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Die Batcaver erhielten ihre Bezeichnung von einem Londoner Szene-Club, obwohl die Bezeichnung nicht zum selben Zeitpunkt gewählt wurde. Der Gothpunk sieht sich in den Anfängen der Gothic-Szene auf englischem Territorium. Batcave wird auch gerne als Basis für die heutige Bewegung der Gothics bezeichnet. Andererseits wiederum provoziert ein heutiger Vertreter der Szene nicht nur durch meist auffälliges Verhalten, sondern mischt auch die ästhetische Provokation der Gothic-Szene hinzu. Mottenbefall ist eine naheliegende Vermutung, entspricht aber nicht in jedem Fall der Wahrheit. Die bevorzugt zerlöcherte Netzkleidung wird von einer kleinen Industrie zur Verfügung gestellt. Kaum eine Gruppierung ist so kontrovers, wie diese. Den „alten“ Batcavern sagt man nach, sie hätten sich selbst überlebt und würden immer noch der „guten alten Zeit“ hinterher jammern. Das Outfit ist bis heute stark am Punk orientiert, gestaltet sich aber von Zeit zu Zeit doch edler bzw. kommerzieller als damals. Die Haare werden gerne im Irokesenschnitt oder hochtoupiert getragen, mit bunten Farben versehen – bevorzugt Neon – und möglichst geordnet chaotisch frisiert. Als traurig oder pessimistisch würde sich kein Batcaver bezeichnen. Im Gegenteil, die düstere Umgebung wird häufig durch ein freches Lächeln durchbrochen.

Gruftis
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Parallel zum Batcave entstand in den 1980er Jahren in Mitteleuropa eine Jugendkultur, die sich durch morbide Eigenschaften und ebensolches Auftreten in die Schlagzeilen manövrierte. Der bevorzugte Musikstil orientierte sich – anders als beim Batcave – stärker am Wave, was auch am visuellen Auftreten zu spüren war. The Cure, Christian Death oder die Anfänge von Sisters of Mercy bereicherten den Musikgeschmack damaliger Zeit wie auch heute, jedoch auch in anderen Splitterkulturen. Themen des Existenzialismus wurden gerne aufgegriffen, obwohl man den damaligen Vertretern dieser Kultur einen Hang zum Weltschmerz und Realitätsflucht nachsagte. Vielleicht geschah diese Verallgemeinerung aber auch nur, weil die Menschen noch nicht bereit waren, für die Bewegung der „Gruftis“. Heranwachsende versuchen sich gerne in diese Welt hineinzuinterpretieren, erreichen damit aber meist nur ein weiteres Aussterben der eigentlichen Bewegung.

Endzeitromantiker und Schwarzromantiker
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Im weitesten Sinne wurde der Look der Endzeitromantiker bereits 1938 von Charles Addams, dem Erfinder der „Addams Family“ geprägt. Bis heute setzen sich gerne das schneeweiß geschminkte Gesicht und die aufwendige Detailverliebtheit durch. Im Gegensatz zu den Batcavern wird der Betrachter hier nicht unbedingt auf das dem Punk entsprungene Outfit oder das gewollt Unordentliche stoßen, sondern durch den Anblick tatsächlich in eine andere, vergangene, Welt geführt. Die Kleidung ist sehr speziell gewählt. Seide, Brokat, Samt und Spitze werden bevorzugt eingesetzt. Zylinder für die Herren, ausladende Röcke und Kleider für die Damen. Sonnenschirme aus Spitze oder Fächer lassen einen schon beim Anblick in den Gärten der Vergangenheit lustwandeln.

Die Endzeitromantiker definieren sich häufig mit Vampirismus, der besonders gerne in Liedern umschrieben wird. Engel der Nacht oder schwarzer Engel sind nur zwei der Bezeichnungen für die unwirklich scheinenden Wesen mit den spitzen Eckzähnen. Poesie und Literatur sind neben der gern genossenen Atmosphäre auf Friedhöfen einige der Eigenschaften, die sich bei vielen Endzeitromantikern finden lassen. Nicht, um Gräber zu schänden, sondern einfach, um der hektischen, lauten und monotonen Welt zu entfliehen. Die Schwarzromantiker unterscheiden sich nicht wesentlich von den Endzeitromantikern. Hier wird zwar auf das weiß geschminkte Gesicht verzichtet, nicht aber auf die vortrefflich stilvolle Bekleidung. Im Gegensatz zu vielen anderen Splitterkulturen finden sich Schwarzromantiker auch grenzübergreifend in weiten Teilen Europas wieder.

Cyber Gothic
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Sie sehen aus, als hätte man einen traditionellen Goth in einen Farbtopf geworfen, der rein zufällig mit Gummimasse gefüllt war. Was offensichtlich böse klingt, ist nicht so gemeint. Es ist nur eine treffende Beschreibung für die Evolution von Gothik. Die schwarze Szene gibt es seit den 1980er Jahren, ihre bunten Farbtupfer mischten wenige Jahre nach der Jahrtausendwende gemächlich, aber stetig steigend mit. Trifft man auf einen Cyber Cothic – kurz Cyber – ist offensichtlich schnell klar, dass hier sehr wohl noch die Züge der traditionellen schwarzen Szene gewahrt wurden. Ebenso schnell wird aber auch klar, dass es sich um das Partyvolk unter den Gothik-Vertretern handelt. Eine düstere Grundatmosphäre ist sicherlich noch präsent, aber der Cyber Gothic sieht sich eher in der Zukunft, statt im romantischen Bereich vertreten. Technoid ist hier das passende Schlagwort.

Die typischen Erscheinungsmerkmale der Cybers gleichen in den Basiszügen dem Gothic. Die weiblichen Vertreter verschönern ihre Augen meist mit schwarzer Farbe, während das Gesicht in manchen Fällen die viktorianische Blässe erhält. Futuristische Haarteile – Cyber Locks – runden häufig das Bild ab. Mundschutz und stilisierte Gasmasken erinnern neben den Schweißerbrillen gerne an die Techno- und Raverszene. Angestrebt wird ein Endzeitlook, worin auch die Hauptorientierung des Cyber Gothic liegt. Technologisches Endzeitszenario, biologischer Untergang etc. sind nur wenige Schlagworte, welche die tendenzielle Richtung vorgeben. Mit apokalyptischen Accessoires wird unter anderem das Produkt einer seelenlosen Technikgesellschaft verkörpert. Schon oft fand die Vorstellung von Wesen, gepaart aus den Eigenschaften von Mensch und Maschine, den Weg in die Fantasien. Der Cyber Gothic bietet den Vertretern großen Freiraum für die erfinderischen Dresscodes. Die Wurzeln des Cyber Gothic finden sich im Gothic und im Gothic Punk. In Deutschland finden sich mehr Vertreter, als irgendwo anders. Genaue Zahlen gibt es aber nicht. Die Friedhof-Romantik ist ganz klar kein Favorit der Szene. Sie wollen eher dem Bild eines düsteren Since-Fiction-Films entspringen. Ganz klar stellen die Cybers heraus, dass ihnen eine tiefere Ideologie, eigentlich ganz untypisch für Gothic, fehlt. Dennoch ist es eine ganz eigene Art, das Leben zu interpretieren und zu vertreten. Musikalisch finden sich die hämmernden Beats der Elektrofraktion wieder. Vereinend wirkte sich hier die Richtung „Industrial“ aus. Zeitweise flüchten sich die Menschen einfach in die Beats, Bässe und vibrierenden Klänge. Das Partyvolk will aber nicht nur im Hintergrund bleiben. Sie wollen auffallen. Trotzdem ist es immer ein abwehrender Wunsch. Sie scheinen zu sagen: Ich bin hier, ich bin jemand, aber lass mich einfach in Ruhe. Die Band „Frozen Plasma“ beschreibt in einem ihrer Songs die Cyber Szene als jung, unberechenbar, promiskuitiv und rebellierend. Die Frage ist, wie viel davon jeder Einzelne auf sich beziehen kann. Ein wahrer Cyber ist kein hirnloses Wesen, das sich einfach einer Modeerscheinung anschließt. Er besticht – ebenso wie die ursprünglichen Vertreter von Gothic – durch eine eigene Denkensweise. Auf rhetorischer Ebene herrscht keine einfältige Nachahmerei, sondern die Meisten wissen, wovon sie reden.

Ein immer wieder behandeltes Thema: Satanismus!
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Ohne sich im Internet oder aus Büchern darüber zu informieren, was bedeutet für Sie Satanismus? Was ist die allgemeingültige Definition von Satanismus oder Satan an sich, wenn Sie jemanden auf der Straße danach fragen? Es ist – ganz ehrlich – erschreckend, wie viele Menschen auf diese Frage mit einer fast identischen Antwort erklären, dass Satanisten für sie eine Gruppe von Menschen sind, die vor Tier- und Menschenopfern nicht zurückschrecken, den Teufel (wer ist der Teufel?) verehren und sich von der Gemeinschaft abgewandt haben. Satanisten stiefeln nachts auf Friedhöfen herum, schänden Gräber oder tanzen auf ihnen. Woher kommt dieses Bild eines Satanisten? Nur weil ein paar ziellose Jugendliche sich irgendwann einmal gedacht haben, es wäre ganz toll, nachts auf einem Friedhof herumzulaufen oder sie einige Schriften und Bücher völlig falsch verstanden – vielleicht sogar absichtlich falsch interpretiert haben?

Fehlendes Wissen und der Zugang zu Chaträumen, in denen sich das Unwissen weiterverbreiten kann, stellen nur die unterste Schicht eines Eisberges dar, den wir uns vielleicht nicht einmal vorstellen möchten. Die Gesellschaft findet immer einen Schuldigen für Gräueltaten. Ob es die sinnlosen Gewaltspiele für Konsolen sind, welche die Jugendlichen dazu animiert haben oder eben eine Gruppe, über die man möglichst wenig wissen möchte. Die Schuld bei sich selber, der Vernachlässigung sozialer Werte oder gar im Elternhaus zu suchen, ist verpönt und kommt gar nicht infrage. Diese Schuld haben andere zu tragen. Nicht wir!

Einen Blick hinter den Vorhang wagen!
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Wenn man sich jetzt einmal die Mühe macht und den Satanismus von allen Seiten beleuchtet, dann wird man schnell feststellen, dass vieles reine Fiktion und Vorgabe von weltlichen und geistlichen Gerüsten ist. Erstmals in der Literaturgeschichte wurde ein Satan in John Miltons Dichtung „Paradise Lost“ beschrieben. Das erste satanistische Werk der Weltliteratur war Lord Byrans Drama „Cain“. Als römischer Import verbreitete sich der Teufelsglaube erst mit dem Aufkommen orientalischer Kulte und Glaubensvorstellungen. Vorher war alles eins. Es gibt kein Licht ohne Schatten, genauso, wie es keine Dunkelheit ohne das Helle geben konnte. Alles war ein Teil des Ganzen. Man kannte sehr wohl das Schlechte, das Böse, aber es war mit dem Göttlichen verbunden. Erst mit der Veränderung der Glaubenseinstellung begann man einen Kampf zu inszenieren.

Gut und Böse waren nicht mehr ein geschlossener Kreis, sondern fochten einen unerbittlichen Kampf aus. Alles, was nicht der Vorstellung entsprach, war heidnisch geworden. Die christliche Kirche als Institution verdammte jene, die nicht ihren Worten folgen wollte. Dämonen, Hexen und Teufel wurden geschaffen, um sich die Angst der Menschheit zunutze zu machen. War ein Mädchen besonders hübsch, musste sie eine Hexe sein. Sie verzauberte schließlich die Männer. Haare durften bei Frauen nicht mehr offen getragen werden. Warum? Weil es ein Gespinst des Teufels war, in welchem sich die armen Seelen der Männer verfangen konnten. Der heidnische Glaube hob die Frau hervor, machte sie zu einem wesentlichen Bestandteil der Gesellschaft.

Der christliche Glaube hingegen sieht den Mann als unumstößlichen Herrscher über sein Eheweib und die Familie. Ein kleines Beispiel aus dem 1. Korinther, 11: „3Ich will aber, dass ihr wisst, dass Christus das Haupt (d.h. das Oberhaupt, das die Autorität ausübt, aber auch beschützt und versorgt) jedes Mannes ist, der Mann aber das Haupt der Frau, Gott aber das Haupt des Christus. 7Denn der Mann darf das Haupt nicht bedecken, weil er Gottes Bild und Ehre ist; die Frau aber ist die Ehre des Mannes. 8Denn der Mann kommt nicht von der Frau, sondern die Frau vom Mann; 9auch wurde der Mann nicht um der Frau willen erschaffen, sondern die Frau um des Mannes willen. 10Darum soll die Frau [ein Zeichen der] Macht auf dem Haupt haben, um der Engel willen.“

Heiden, Satanisten und Gothic
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Was hat nun der „moderne“ Satanismus mit Gothic zu tun? Satanismus ist in der Sichtweise des Christentums nicht mit diesem Glauben vereinbar, geschweige denn, dass sich darauf aufbauen lässt. Alles, was nicht der christlichen Religion entsprach, musste verdrängt werden. Heiden hatten ihre „eigenen“ Gottheiten, die nicht in das Bild passen wollten. Diese Gottheiten wurden immer weiter in den Hintergrund gedrängt, wodurch der „Teufel“ immer mehr Gesichter und Namen bekam. Alles, was nicht der christlichen Ansicht entsprach, wurde zu einem Feind Gottes. Als offensichtlichstes Beispiel dient die Darstellung mit Ziegenkörper, die unumstößlich an den Hirtengott Pan angelehnt ist.

Das heute gern getragene umgekehrte Kreuz ist nicht in jedem Fall eine Ode an Satan, sondern meist einfach nur ein Zeichen, die christliche Kirche abzulehnen. Kräuterkunde, Magie oder einfach nur der Umgang mit uralten Traditionen hat nichts mit Satanismus zu tun. Es ist einfach das Interesse an vergessenen Werten und anderen Kulturen (siehe zum Beispiel Schamanismus). Der moderne Satanismus steht für Werte, die in keinster Weise dem Herdentum, wie es kirchliche Organisationen vorziehen, entsprechen. Selbstverwirklichung, Individualismus und Rebellion gegen vorgefertigte Meinungen bilden nur einen Teilbereich der Glaubensrichtung. Wenn jemand in schwarz gewandet ist, sich der Religionsfreiheit oder gar dem Atheismus zuwendet, muss es sich nicht um einen Satanist handeln.

Die Gier nach Macht untergräbt den Individualismus

Leider zeigt sich auch im Satanismus immer wieder der Machtanspruch einiger Menschen, wodurch einige Institutionen mittlerweile nichts anderes mehr sind, als das Pendant zur christlichen Kirche. Die heutigen Medien suchen sich gerne einen Schuldigen, um die Gräueltaten einiger verwirrter Seelen unter den Deckmantel negativ behafteter Erscheinungen zu kehren. Der Satanismus ist allein des Namens wegen schon ein gern gewählter Begriff für Schuld. Bevor man jemanden verurteilt, weil er sich offensichtlich weigert, dem Herdentrieb der Menschheit zu folgen, sollte man sich vielleicht mit ihm auseinandersetzen. So, wie dieser Text nicht auf alle Christen oder andere Vertreter unterschiedlicher Religionen zuzuschneidern ist, so sollte auch ein wahrer Satanist nicht über einen Kamm geschert werden mit pubertierenden Heranwachsenden oder verwirrten Seelen, die in ihrem Leben noch keinen wirklichen Standpunkt gefunden haben.

Gothic und Religion
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Die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religion oder politischen Einstellung ist kein Kriterium, um in der Gothic-Szene aufgenommen zu werden. Auch, wenn die offiziell kleinste Gruppierung sich zur christlichen Religion bekennt, hat sich dennoch eine schöne Tradition beim Wave-Gotik-Treffen eingebürgert. Gemeinsam wird eine schwarze Messe in der Petruskirche begangen. Hierbei zählt aber nicht unbedingt der Glaube an Gott oder etwas Übersinnliches, sondern viel mehr die Gemeinschaft, die Zusammenkunft und die Hoffnung auf ein friedfertiges Miteinander. Um das Elternhaus zu schocken, wählen Jugendliche gerne das, was der Allgemeinheit am ehesten widerstrebt. Da der christliche Glaube in den westlichen Kulturen am weitesten verbreitet ist, bietet es sich an, ein Schlagwort zu wählen, das nur negative Verknüpfungen in der Gesellschaft aufweist: Satanismus.

Diese Form hat allerdings nichts mit dem modernen oder wirklichen Satanismus zu tun, sondern dient rein dem revolutionären Verhalten. Viele Gothics finden ihre eigenen Wurzeln in heidnischen Ritualen wieder. Ob nordisch, keltisch oder eine andere Richtung, alles ist erlaubt, nichts muss! Die einzelnen Interessengebiete wie beispielsweise Wicca, Alchemie oder Okkultismus lassen schnell einen falschen Rückschluss zu. Wer sich einmal mit einem Gothic auseinandergesetzt hat, wird schnell feststellen, dass die zahlreichen Interessen nicht zu geistlosen Mitläufern führen, sondern in den meisten Fällen zu belesenen Menschen, die Wissen aufsaugen und verwerten. Wer sich den Artikel über Satanismus durchgelesen hat, wird schnell feststellen, dass das, was dort vertreten wird, eigentlich dem Wunsch vieler entspricht. Sind wir deswegen jetzt alle Satanisten, nur weil wir einige Gesichtspunkte – der eine mehr, der andere weniger – gutheißen? Bestimmt nicht. Ebenso verhält es sich mit den Interessengebieten im Gothic. Nicht jeder ist gleich eine Hexe, ein Vampir oder ein Okkultist, weil er sich für einzelne Elemente interessiert oder sie in sein Leben übernimmt.

Politik in der Gothic-Szene
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Ebenso verhält es sich im politischen Bereich. Die einzige Distanzierung, die aber nicht nur in dieser Szene ausgesprochen wird, ist die von der „Rechten Szene“. Trotz der Tatsache, dass Gothic aus dem Punk entstanden ist, wird auch immer häufiger nur noch eine teilweise Vertretung der linken Ansichten in Anspruch genommen. Das unpolitische Verhalten oder Denken der Gothic-Szene bedeutet aber nicht, dass nicht genauso Diskussionen über die politischen Kämpfe geführt werden. Auch, wenn sie vielleicht in mancher Hinsicht auf Kopfschütteln oder Unverständnis stoßen würden. Natürlich gibt es – wie auch in jeder anderen Subkultur – Gothics, die nicht in dieses Bild passen würden. Fremdenfeindlichkeit ist im Allgemeinen aber verpönt. Der Wesenszug der Toleranz und selbstständigen Selbstverwirklichung scheint tatsächlich nur bei manchen Anhängern auf Widersprüchlichkeit zu stoßen. Aber kennen wir alle nicht auch genügend Christen, Moslems oder Juden, die sich nicht zu 100 % an die entsprechenden Werte halten? Der Mensch ist nicht unfehlbar und das ist auch gut so. Auch hier gilt wieder zu sagen, dass ein Interessengebiet, wie beispielsweise Musik, Literatur oder Kunst, keinerlei Rückschlüsse auf die gesamte Persönlichkeit zulässt oder zulassen kann. Der Versuch, einige Sänger unterschiedlichen Bands, die sich in entsprechenden Kreisen bewegen, in Verbindung mit der Gothic-Szene zu bringen, ist daran gescheitert, dass diese sich eher dem Neofolk oder Martial-Industrial-Umfeld zugehörig fühlen. Aber es beweist, dass immer wieder nur aufgrund eines kleinen Puzzleteils versucht wird, etwas in eine Szene hinein zu interpretieren.

Gothic im Berufsleben
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Das gesellschaftliche Bild eines Bänkers oder leitenden Angestellten wird nicht von einem Anhänger der Gothic-Szene dargestellt. In den meisten Fällen hat dies nicht unbedingt etwas mit der Ablehnung der Arbeitgeber zu tun. Die Negation gegenüber der konsumorientierten Spaßgesellschaft hat für einige Szenegänger die Konsequenz, dass sich lieber im sozialen Bereich weitergebildet wird. Sozialwissenschaftliches Studium oder entsprechende Berufe sind gern gewählte Berufsfelder. Nicht wissenschaftlich bestätigt ist, ob sich die Wahl dieser Berufe auf eine legere Einstellung der Arbeitgeber bezüglich des Erscheinungsbildes zurückführen lässt, oder es tatsächlich einfach mit dem gesteigerten Einfühlungsvermögen und der sozialen Verantwortung zusammenhängt. Defakto steht fest, dass gerade Altenpfleger oder Krankenschwester zu den favorisierten Tätigkeitsfeldern gehören. Kompatibilität zum Musikstil oder den Überzeugungen der Szene lässt sich auch in der IT-Branche finden, wodurch auch hier sich Möglichkeiten bieten, den Lebensunterhalt zu verdienen. Handwerkliche Berufe oder der Weg in die Selbstständigkeit bieten nicht nur Gelegenheit zur kreativen Selbstentfaltung, sondern versorgen die Gothic-Szene auch durch entsprechende Mode oder Kosmetik.

Die Gesellschaft, aber auch die Szenegänger selbst verlangen von sich immer wieder eine Ambiguitätstoleranz, weshalb sich die Rollenerwartungen und die wechselseitige Bedürfnisbefriedigung hier ganz anders verhalten. Jene, die sich aus Überzeugung zum Gothic zählen, haben meist ein ausgewogenes Verhältnis zwischen der Rollenanpassung und dem –entwurf. Sie sind in der Lage, Verhaltenserwartungen auszuhalten und umzusetzen, was auch ein Ausdruck der Ich-Entwicklung ist. Es besteht eine essenzielle Bedeutung der Perspektivübernahme, um die Empathie entsprechend ausbilden zu können. Gerade diese ist im sozialen Bereich gefragt. Dies könnte ein Grund sein, warum dieser Berufszweig sich größter Beliebtheit erfreut. Neben dem Streben nach Selbstverwirklichung ist im sozialen Bereich ein enormes Einfühlungsvermögen gefragt, welches die Anhänger der Gothic-Szene schon alleine wegen der Lebenseinstellung anstreben.

Menschen, die sich in der „schwarzen“ Szene bewegen, haben meist einen ausgeprägten Sinn für Selbstreflexion. Das Selbstwertgefühl wird durch das „gegen den Strom schwimmen“ gestärkt und ein ständiges Hinterfragen wie auch Definieren oder Verteidigen – manchmal auch gegen sich selbst – eröffnet den Gothics neue Wege zur Einsicht. Durch die häufige Konfrontation mit den gesellschaftlichen Ansichten scheinen sich eine höher entwickelte Fähigkeit zur Kritikfähigkeit und die schon genannte Empathi bei vielen Vertretern finden zu lassen. Die Auseinandersetzung mit den Werten der Subkultur – die an sich schon sehr wertorientiert ist – bieten im Berufsleben ganz anderes Potenzial, als bei den Menschen, die diesen Punkt ohne größere Probleme im Leben erreicht haben.

Aufgrund diverser Vorurteile dürfte es einem Gothic aber auch schwerer fallen, eine entsprechende Ausbildungsstelle zu finden. Gerade in diesem Bereich scheint der Heranwachsende große Schwierigkeiten zu haben. Jene, die in den vergangenen Jahrzehnten gelernt haben, mit der Gesellschaft umzugehen, stehen bereits im Berufsleben und können auch mit der Intoleranz mancher Arbeitgeber umgehen. Dem adoleszenten Gothic hingegen fehlt diese Erfahrung. Und genau hier wäre ein wichtiger Ansatzpunkt, um ein Abdriften in das schockierende Bild zu vermeiden. Nicht selten finden sich in solchen Situationen die Auslöser für eine extreme Verwandlung der jungen Menschen, wodurch aber dann auch wieder die Werte der „Alt-Gothics“ infrage gestellt werden. In dem noch nicht gefestigten Geist des Heranwachsenden scheinen die Stimmen immer lauter zu werden, die Fragen nach der Toleranz stellen, die von einem selbst erbracht werden soll, ohne diese erwarten zu können.

Kulturelle Einflüsse und Interessen im Gothic
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Die Gothic-Kultur ist nicht nur von Musik geprägt, sondern auch von Modeeinflüssen oder der Literatur. Eine eigene Ästhetisierung ist stets präsent und teilweise sehr markant. Mit diesen Mitteln zeigt man aber auch, womit man sich tendenziell hauptsächlich beschäftigt: Tod, Okkultismus, Morbidität, Magie oder diverse Religionen. Es findet eine optische Abgrenzung nach außen statt, aber primär geht es um die Besonnenheit oder den Rückzug in sich selbst. Sekundär ist der Gedanke, der Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten. Die Beschäftigung mit Tabuthemen ist eine weitere Grenzlinie zur Gesellschaft. Während vielerorts nur hinter vorgehaltener Hand – wenn überhaupt – eine Auseinandersetzung mit Satan oder Ähnlichem erfolgt, ist die Spinne als Weberin des Schicksals oder Teufelsbilder ein gängiges Stilmittel im Gothic.

Warum sich jemand so kleidet, ist jedem selbst überlassen, aber es könnte zum Beispiel auch aus folgenden Gründen passieren. Metaphorisches Ausdrücken oder die Veranschaulichung von Tabuthemen, unterdrückter oder negativer Gefühle ist nicht selten das Ziel dieser Stilmittel. Es ist wie der stumme Schrei, sich der Verdrängungsmechanismen – besonders im emotionalen Bereich – der Gesellschaft bewusst zu werden. Mit optischen Denkanstößen wird offene Kritik geübt. Die Schnelllebigkeit, das simple Vortäuschen von nicht vorhandenen Gefühlen wie Trauer, Sorge oder menschlichem Leid oder die kurzfristige Bedürfnisbefriedigung sind nur einige der Punkte, die für die Erzeugung eines Gegenpols im Gothic sprechen. Der Kleidungsstil ist vielleicht nicht einfach nur ein Mittel, sich selbst auszudrücken, sondern soll auch auf die Fragwürdigkeit gesellschaftlicher Konventionen hindeuten. Wer nicht leistungsfähig ist oder seine persönlichen Probleme nicht dauerhaft in den Griff bekommt, der gilt als nicht anpassungsfähig. Er droht, durch das gesellschaftliche Raster zu fallen.

Weshalb das Gegenüber sich so kleidet, ist für keinen auf den ersten Blick ersichtlich. Auch diese Tatsache ist Teil der Motivation. Man möchte als geheimnisvoll oder undurchschaubar gelten. Neben der relativ genauen Einteilung in die einzelnen Erscheinungsformen lassen sich einzelne Gruppierungen aber auch mit übergeordneten Begriffen beschreiben, die auf offensichtlichen Merkmalen beruhen. Retrofigur – Verbindung von Vergangenheit und Moderne
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Schon ziemlich zu Beginn der Szene gab es die Orientierung hin zu einer Zeit, die Jahrhunderte von unserer entfernt ist. Drachen, Ritter, Sagen und Mythen füllen die Gedanken dieser Zeit. Veranstaltungen werden bevorzugt an mittelalterlichen Orten angeboten, um einen passenden Rahmen für den bevorzugten Kleidungs- und Musikstil zu bieten. Hier wird nicht nur zu Sackpfeife und Leier getanzt, sondern auch die Werte der alten Zeit gehegt. Das Ritterliche findet gerade bei den Männern anklang. Gerne werden altertümliche Kleidungsstücke zu modernen Accessoires getragen. Bei einem findet sich die Kettenhaube, wie sie von Turnierrittern des Mittelalters getragen wurde, kombiniert mit Motorradboots und mit Nieten besetzten Unterarmstulpen. Barock, Rokoko oder Romantik sind aber ebenso vertreten, wie der Ritter, der Henker oder der Söldner. Das deutliche Interesse an der Vergangenheit ruft Minnesänger, Gaukler, Burgfräulein, Händler oder Räuber auf den Plan. Es scheint fast, als würde sich jeder mittelalterliche Stand finden lassen.

Die Kinder der Nacht und ihre schwarzen Engel
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Mary W. Shelley, Horace Walpole, H. G. Lewis oder Lord Byron haben Hexen, Vampire, Magier und andere Wesen mit Worten erschaffen. Die Fantasie der präferierten Autoren dient nicht selten als Vorlage, um sich selbst mit einem dieser herrlich weltfremden Wesen zu identifizieren. Unter anderem schwarz geschminkte Lippen, stark umrandete Augen und entsprechendes Styling finden sich sowohl bei weiblichen wie auch männlichen Vertretern. Als Schmuck dienen gerne Pentagramme, Ketten, Ringe oderAnhänger mit beispielsweise Fledermäusen oder Spinnen. Samthalsbänder, Fächer oder dezenter Nietenschmuck bilden wohl gewählt einen edlen Abschluss. Warum Fledermaus und Spinne? Weil sie in der christlichen Ikonografie Satan, Hexen und Magiern zugeordnet wurden und stets in Verbindung mit dem Bösen zu stehen schienen.

Das Kreuz in unzähligen Varianten dient nicht immer nur als Provokation. Diese gilt hauptsächlich für das umgedrehte Kreuz, was aber in diesem Fall nicht unbedingt etwas mit der Verherrlichung von Satan zu tun hat. Ob am Körper oder in der Wohnung finden sich gerne Vanitas-Motive wie z. B. der Totenkopf, Skelette oder Knochen. Diese Tradition stammt aus dem 16. Und 17. Jahrhundert, in welchen man durch Pest und Epidemien fast täglich mit dem Tod konfrontiert wurde. Stillleben mit eben jenen Abbildungen entstanden in Deutschland und Holland, jedoch nicht nur mit den offensichtlichen Symbolen, sondern unter anderem auch dem Stundenglas oder einer erloschenen Kerze.

Bei vielen Anhängern der Szene findet man keine der genannten oder andere Darstellung in Reinform. Diese Vermischung fällt unter den Begriff Crossover, da es keine genauen Grenzen oder Merkmale gibt. Auf die Inszenierung eigener Präferenzen wird viel Wert gelegt. Dennoch wird es teilweise kritisch gesehen, wenn diesem Bereich zu viel Aufmerksamkeit gewidmet wird oder sich das Auftreten gar zu häufig verändert. In letzterem Fall würde man die persönliche Einstellung nicht deutlich genug vertreten. Musik und Mode sind zwei der wichtigsten Einflüsse der Gothic-Kultur. Poesie, Malerei, Philosophie, Religion oder Mystik spielen zwar auch eine übergeordnete Rolle, sind aber zu unterschiedlich, um sie zu beschreiben.

„Finde dich selbst, sei individuell!“ Diese Leitmaxime lässt sich auf jeden Lebensbereich der Gothics verwenden. Jede Frau und jeder Mann befindet sich sozusagen in seinem eigenen Mikrokosmos. Werte, individuelle Vorzüge des Stylings oder die persönliche Einstellung sind gern untereinander ausgetauschte oder besprochene Bereiche, sodass häufig eine wechselseitige Beeinflussung entsteht. Jeder zieht aus einer Beziehung, einem Treffen oder einem Festival für sich neue Ideen oder dient als Vorbild für andere. Aufgegriffen und vielleicht verfeinert bildet sich die Subkultur so immer weiter aus, verändert sich und schafft neue Möglichkeiten zum Selbstbildnis.

Tanzstile im Gothic
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Gothic zählt zu den meist missverstandenen Kulturen, da es gerade Außenstehenden, aber auch Neuankömmlingen oft schwerfällt, sie einzuordnen. Die individuelle Gedankenlandschaft ist geprägt vom Hinterfragen der Normen in einer Gesellschaft, dem Sinn des Lebens und der Findung der eigenen Persönlichkeit. Dauerhaft verknüpft mit dem morbiden ist der Tod ein heimlicher Begleiter und Inspirateur, allen voran der Vampir. Seine Einflüsse finden sich nicht nur im Bekleidungsstil, Musik oder beispielsweise Poesie, sondern auch im Tanz. Ein vermehrtes Interesse an Mystik, Magie oder Okkultem verführt den Außenstehenden immer wieder dazu, die schwarze Szene mit dem Satanismus in Verbindung zu bringen, was aber nicht immer das Ansinnen eines Goth ist. Die Gothic-Szene, die heute besteht, ist wohl kaum noch mit den Wurzeln der 1980er oder 1990er Jahre zu vergleichen. Sie nährt sich davon, entwickelt sich weiter und bringt neue Richtungen oder Impulse für Musik, Mode, Kunst oder Tanz hervor.

Jeder Szenegänger definiert Gothic für sich persönlich ein wenig anders. Gerade im Bereich Tanzstile hat man die Möglichkeit, Gothic auf unterschiedliche Weise zu betrachten. Für jeden Tanzstil ist es jedoch notwendig, sich wirklich mit dem Thema auseinandergesetzt zu haben. Es ist noch lange nicht genug, sich düstere Musik anzuhören und darauf zu performen. Die Vermischung unterschiedlicher Elemente ist immer mit dem Gefühl, das Gothic vermittelt, verbunden. Dennoch gehört nicht alles zu dieser Subkultur, was schwarz oder düster erscheint. Es gibt einige Tanzstile, die eine bestimmte Stimmung oder Ausführung beanspruchen und es wert sind, differenziert zu werden. Auch, wenn die meisten Tanzstile eher dazu geeignet scheinen, auf einer Bühne vorgeführt zu werden, so lassen sich doch viele Bewegungen immer wieder gerne auf den einzelnen Tänzer übertragen.

Staubsauger/Totengräber oder Nord-Süd-Kurs

Eine Möglichkeit zu tanzen, die viele Namen hat und dennoch immer dasselbe ist. Der Tanz wird ohne Rücksicht auf den Takt ausgeführt, indem der Tänzer sich drei Schritte vorwärts bewegt und den Oberkörper dabei seitlich beugt. Beim „zurücktanzen“ wird der Oberkörper nach vorne geneigt, um wieder auf den Ausgangspunkt zurückzukehren.

Gothic Dance

Deva Matisa zählt sich zu den Gothic-Frauen der ersten Stunde. Ihr Talent ist die ständige Neuerschaffung der persönlichen Darstellung. Für den Gothic Dance benötigt man ein ganz eigenes Gefühl. Deva Matisa performt ihn schon viele Jahre und weiß mit ihren Kenntnissen über die Szene diesen Tanz perfekt umzusetzen. Ihn mit anderen Tanzstilen zu kombinieren verleiht den Bewegungen und Botschaften etwas Besonderes. Da er sehr an das vampirhafte angelehnt ist, werden Elemente des orientalischen Tanzes oder des Tribal Style nicht mit hineinvermengt. Es finden sich Elemente des Ausdruckstanzes, Modern- oder Streetdance oder beispielsweise Jazz darin. Dieser Tanzstil ist tief mit der Gothic-Szene verbunden, daher sind Kenntnisse unabdingbar.

Gothic Bellydance und Gothic Oriental Dance

Bauchtanz und orientalische Einflüsse oder Bewegungen mit dem Gothic zu vermengen, brachte diese Tanzform hervor. Diese atemberaubende Synthese ist zwar noch ein recht junger Tanzstil, deswegen aber nicht weniger beeindruckend. Accessoires wie z. B. Schwerter, Umhänge oder Feuer-Pois erzeugen zusammen mit der Performance eine wohlige Gänsehaut beim Zuschauer. Die Kunst bei diesen Tänzen ist es, die eigene Botschaft so zu transportieren, dass der Gesamteindruck nicht wie eine Versuchswerkstatt aussieht. Die Tänzer/innen haben die Möglichkeit, sich ein ganz neues Umfeld zu schaffen. Sie müssen nicht beeindruckend schön wirken, sondern dürfen auch das Morbide, Schaurige oder Düstere darstellen.

Vampire Dance

Der Vampir-Tanz ist unmittelbar mit dem Gothic-Dance verbunden. Es gehört eine tiefe Verbundenheit mit dem Lebensgefühl des originalen Gothic dazu, diesen Tanz wirklich authentisch darzubieten. Accessoires und entsprechende Musik sind fast unverzichtbar, um sich tänzerisch in einen Vampir zu verwandeln. Gerade wer sich diesen Wesen aber sehr verbunden fühlt, dürfte keine Schwierigkeiten haben, diesen Tanz zu performen. Hier finden sich wieder Elemente des Ausdruckstanzes, Modern- und Street-Dance wie auch Jazz. Gothic Tribal Style

Der Tribal Dance ist ebenfalls dem orientalischen Tanz entsprungen, was bei jeder Weiterentwicklung immer durch die charakteristischen Bewegungen offensichtlich bleibt. Er besticht im Gegensatz zum Gothic Bellydance durch Improvisation. Elemente des Gothic werden mit Tänzen aus Spanien, Indien und dem Orient vermischt und ergeben eine beeindruckende Symbiose. Da gerade bei den indischen oder orientalischen Tänzen jeder Bewegungsablauf eine „eigene Geschichte“ erzählt, sollten unbedingt Kenntnisse in diesen Bereichen erlern werden. Es ist eben mehr, als nur der Hüftschwung oder die fließende Bewegung der Arme.

German Gothic Tribal Style

Wieder ist es Deva Matisa, welche die Tanztempel der Gothic-Szene mit neuen Bewegungen auffrischt. Beim German Gothic Tribal Style finden sich viele verschiedene Elemenet aus dem traditionellen orientalischen Tanz (Raks Sharki), dem indischen Katak und Odissi, spanische Einflüsse und natürlich Tribal Style. Mit ihrem untrüglichen Gespür für perfekte Harmonien hat Deva Matisa diesem Tanz eine sinnlich erotische Seite beigefügt.

Gruppendynamische Prozesse im Gothic – wer mit wem, wann, wie und wo?
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In den folgenden Artikeln soll es nicht um die Beziehung einzelner Gothics untereinander gehen, sondern darum, wie der Einstieg in die Szene begünstigt wird oder inwieweit Prozesse – vorzugsweise gruppendynamische – relevant sind für die Abgrenzung oder gar Ausgrenzung.

Peergroups sind Gruppen Gleichgesinnter, die gerade in der Phase der Adoleszenz, also des Heranwachsens, eine wichtige Rolle im Leben spielen. Sie stellt nicht unbedingt eine Problemgruppe dar, sondern eher einen wertvollen Bestandteil in der Formung. Ein wichtiges Schlagwort in diesem Lebensabschnitt ist die Figuration. Das Muster, welches die Menschen als Ganzes bilden, ist eine der Voraussetzungen dafür, dass jeder sich als Unikat sehen kann. Daraus resultiert, dass nicht nur eine Gemeinschaft von Verbündeten entsteht, sondern auch als „Gegner“. Weit über sechs Milliarden Menschen leben auf der Erde, dennoch wandelt keiner alleine umher, sondern wir alle unterliegen einem Figurationsprozess. Dieser kann sich innerhalb einer Familie, dem Umfeld, aber auch des Dorfes oder einer Stadt abspielen. Wir alle sind in mehr oder weniger fest bestehenden Verbänden organisiert. Die Wir-Ich-Balance hat sich in den letzten Jahren deutlich zum „Ich“ hin gewandelt, da dies die einzige Permanente ist, mit der wir unser Leben lang verbunden sind und die wir akzeptieren müssen.

Ein zweites wichtiges Schlagwort ist die Objektivation. Diese nicht von Natur gegebenen, sondern von Menschen erschaffenen Begriffe sind Annahmen, Bilder, Verzweigungen, Tatsachen, die es zu akzeptieren oder abzulehnen gilt. Als Beispiel für Objektivationen können Annahmen gelten, die wir einfach als selbstverständlich ansehen, wie den Handschlag als Begrüßung, die Annahme, es gäbe Länder, einen Staat, Demokratien oder eben die Verwandtschaftsbeziehungen wie Tante und Onkel. Die Peergroups helfen nicht nur bei der Formung dieser beiden Aspekte, sondern auch bei der Definition des „Ichs“. Viel zu oft hört man, dass Jugendliche Opfer der Gesellschaft, des Konsums oder suspekter Freizeitgestaltung wären. Vielmehr bietet sich doch gerade hier die Möglichkeit, Neues zu erschaffen. Ob Konstellationen auf kultureller Ebene oder einen spezifischen Lebenswandel.

Das Angebot von unterschiedlichen Subkulturen oder Gruppen ist mit jedem Jahr gewachsen. In den 80er Jahren formte sich in der Gothic-Kultur ein sehr treffendes Motto: „Life is Xerox, we are just a copy!“ Es macht deutlich, dass jeder Jugendliche, der in die Welt hinauswächst, eigentlich nur eine Kopie schon bestehender Kulturen, Gruppen oder Vorgaben ist. Jeder stellt sich im Verlauf des Lebens auf die eine oder andere Weise die Frage, von was er eine Kopie darstellen möchte und wie genau der Grad der Nachahmung sein sollte. Die vielen Prozesse, die wir im Laufe unseres Lebens durchlaufen, lösen die eine oder die andere Handlung aus. Während der Ablösungs- und Neuorientierungsphase im Alter zwischen 13-16 Jahren beginnen die meisten Jugendlichen, sich auf die Suche nach einer geeigneten Peergroup zu machen.

Internet, Musik und ein Lebensgefühl – der erste Schritt einer langen Reise
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Das Internet ist eines der wichtigsten Kommunikationsmedien der heutigen Zeit. Auch in der Gothic-Szene wird es gerne genutzt, weil es einfach am weitesten verbreitet ist und fast überall akzeptiert wurde. Richtig genutzt überwiegen die positiven Aspekte durch das große Informationspotenzial. Die Musik ist ein entscheidender Faktor, in eine bestimmte Richtung zu gehen oder gar in eine Subkultur einzutreten. Sie ist eines der zentralsten Kriterien zur Hervorhebung oder Abgrenzung zu anderen Jugendlichen. Die Distinktion erfolgt bewusst, ohne sich als Opfer jedweder Einflüsse zu sehen. Das düstere, melancholische oder aggressive der verschiedenen Gothic-Musikrichtungen scheint auf einige eine besondere Anziehungskraft auszuüben. Es ist der erste Kontakt zur Subkultur, auch wenn noch keine menschlichen Beziehungen hergestellt wurden. Der Jugendliche findet sich in den gesungenen Worten wieder, beginnt sich darüber zu definieren, ohne, dass auch nur im Geringsten eine der anderen alltagsästhetischen Merkmale bisher in Erwägung gezogen wurde. Der erste Schritt, sich vom Mainstream abzugrenzen, ist getan. Die Musik ist auch für Szenegänger, die aufgrund ihrer Lebensumstände nur noch sporadisch das intensive Szeneleben betreiben, eine Attraktion, die sie immer wieder zurückkehren lässt. Es ist der stärkste Verbindungsknoten oder Magnet der Subkultur. Über den musikalischen Bereich gelingen dann nicht selten der Eintritt in die Szene und eine Festigung der Bindungen.

Musik und Internet sind zwei Möglichkeiten, den Weg in die Gothic-Szene zu finden. Eine weitere ist das schwarz-romantische Lebensgefühl als Motivation. Dieser Punkt ist einer der individuellsten überhaupt, da er mit den Emotionen der einzelnen Personen verknüpft ist. Eine Übereinstimmung lässt sich aber beispielsweise in der Vorliebe für schwarzen Humor oder dem oft als melancholisch, mystisch oder düster beschriebenem Gefühl festhalten. Dieses spezielle Gefühl tritt bei den meisten jedoch nicht erst bei oder nach dem Eintritt in die Subkultur auf, sonder war schon vorher zumindest unterschwellig vorhanden. Ein ausdrucksvolles Verständnis des Lebens mit menschlichem Leid und auch Glück, Einsamkeit und Zweisamkeit werden auf widersprüchliche Weise zusammengebracht. Das eine kann und soll nicht ohne das Andere existieren. Der Tod wird nicht verherrlicht, sondern akzeptiert, als ein sicherer Bestandteil des Lebens. Das Leben hingegen sollte ebenso intensiv begangen werden. Entgegen vieler vorgefertigter Meinungen ist das Reden, Nachdenken oder die Beschäftigung mit dem Ende des Lebens nicht von Suizidgedanken geprägt, sondern ganz einfach ein akzeptiertes Geschehen im Laufe des Lebens.

Was die Gothic-Szene anziehend oder abstoßend macht, muss im Prinzip jeder für sich selbst feststellen. Von vielen Szenegängern wird jedoch die Ganzheitlichkeit der Subkultur in Bezug auf die persönliche Lebenswelt, aber auch auf die Einstellungen oder die Ästhetisierung als durchweg positiv empfunden. Wo vorher ein Gefühl der Leere vorherrschte, war auf einmal ein Gefühl von „ich bin zu Hause angekommen“. Nicht selten wird Geborgenheit oder Zufriedenheit als einer der wesentlichen Aspekte in der Szene genannt. Sie ersetzt bei einigen ein zuvor fehlendes Gefühl. In einigen Fällen wird davon gesprochen, dass man sich vorher alleine oder ausgestoßen, von der Gesellschaft unverstanden gefühlt hat. Gothic scheint diesen Mangel nur allzu gerne zu kompensieren.

Mehr, als nur bloßes Interesse

Gothic bietet eine Möglichkeit, sich von dem Elternhaus oder der Gesellschaft abzugrenzen, ohne sich selbst auszugrenzen, wie es bei anderen Subkulturen der Fall wäre. Dem beruflichen Interesse beispielsweise steht nichts im Wege. Wer sich für die Gothic-Szene entscheidet, wird mit bloßem Interesse auf lange Sicht gesehen, nicht glücklich werden. Der erste Kontakt findet meist über einen Freund oder Bekannten statt, aber die Leidenschaft für Inhalte aus den philosophischen, kunsthistorischen oder kulturhistorischen Bereichen, gilt es von jedem selbst zu entdecken und weiter zu entwickeln. Die Subkultur bietet ein breites Repertoire dieser Inhalte, wodurch sich gerade Jugendliche mit der stets präsenten Frage nach dem Sinn des Lebens befassen können. Von der als oberflächlich erlebten Lach- und Spaßgesellschaft möchte man sich distanzieren, das wird ganz klar betont, aber es erfolgt kein vollständiger Abschnitt von diesem Leben. Gothic bietet aber ganz klar eine „Fluchtmöglichkeit“ aus dem Alltag, was die Szene zusätzlich attraktiv macht. Das tägliche Leben mit seinen Vorgaben wird von vielen als zu einengend, zu unterdrückend empfunden. Im Unterschied zu anderen Gruppen oder Kulturen scheint hier jedoch sehr bewusst zu sein, dass auch hier das eine Leben eine Begleiterscheinung des anderen ist. Gothics haben ihre ganz eigene Art, sich in beiden „Welten“ zu bewegen, sie zu verbinden und die Widersprüchlichkeiten zu akzeptieren.

Die Gothic-Szene unterscheidet sich nicht wirklich von anderen Peergroups, sondern übernimmt eher dieselben Funktionen und Aufgaben. Der Eintritt erfolgt aber nicht nur wegen bestimmter Defizite des Lebens. Es ist ebenso wenig das Ziel der Szenegänger, sich ausschließlich mit der Verarbeitung oder der Beschäftigung dieser Umstände zu widmen, aber die beispielhafte Offenheit machte es oft leichter, einen Ansprechpartner zu finden, der unter Umständen bei der Bewältigung persönlicher Probleme helfen kann. Die Zugehörigkeit zum Gothic lässt sich auch nicht auf ein bestimmtes Austrittalter festlegen. Es gibt jene, die nach ein paar Monaten oder Jahren einfach wieder aussteigen und andere, für die es einfach von Beginn an nicht das Richtige war. Eine Verlagerung der Interessenschwerpunkte oder familiäre wie auch berufliche Gründe gelten bei einigen als Grund, sich nicht mehr so intensiv mit dem Szeneleben zu beschäftigen.

Egal, ob man sich aktiv oder passiv in der Szene bewegt, es gibt einfach Umstände, die sich nicht wegrationalisieren lassen. Selbst, wenn jemand für sich entscheidet, die Subkultur ist nicht mehr das, was das Leben erfüllt, bleibt die innere Haltung meist recht stark an die Werte angelehnt. Es ist wieder die Abgrenzung durch einige Merkmale, nur diesmal in die entgegengesetzte Richtung. Der Wandel der Zeit, die Veränderung innerhalb der Subkultur ist für manch einen der Grund, sich anderen Gebieten zuzuwenden. Die Fähigkeit, sich aber in beiden „Welten“ zu bewegen, bleibt.

Kritisch betrachtete Veränderungen

Die Veränderungen innerhalb der Subkultur ist nicht selten ein Grund – wie auch in anderen Bereichen – sich davon zu distanzieren. Wie in jeder Gruppe, Kultur oder Gemeinschaft durchläuft auch im Gothic jedes Mitglied gruppendynamische Prozesse. Angefangen beim Knüpfen von Kontakten, die Selbstbehauptung und schließlich die Stabilisierung der Position sorgen für unterschiedliche Reaktionen bei den einzelnen Mitgliedern der Subkultur. Es gibt auch im Gothic ein permanentes Spannungsfeld. Abgrenzung und Anpassung sind Vorgänge, die nicht nur in der allgemeinen Gesellschaft passieren, sondern auch innerhalb der Gothic-Szene. Jene, die sich als Gothics der ersten Stunde sehen, empfinden eine extreme Veränderung innerhalb der Szene. Der steigende Anpassungsdruck besonders im Bezug auf körperästhetische Bereiche unterliegt tatsächlich so etwas Ähnlichem, wie einer sozialen Kontrolle. Manch einer maßt sich an, anhand der Erscheinung oder der Kleidung beurteilen zu können, ob man authentisch oder ein „wanna be“ ist.

Tatsächlich wird es von vielen so empfunden, dass der Musikgeschmack oder der Kleidungsstil Zugangskriterien für die Gothic-Szene sind. Wer sich die Zeit nimmt und mal verschiedene Foren durchforstet, wird oft auf Aussagen stoßen, dass man sogar ausgelacht werden würde, wenn man nicht den „allgemeinen“ Geschmack träfe. Andere Szenegänger ärgern sich über den Einfluss bestimmter Interessengebiete. Dass der SM-Bereich viel Potenzial für individuelle Erscheinungen bietet, ist bekannt. Lack, Leder oder Accessoires werden auch im Gothic gerne bei der Kleidung verwendet. Es wird sich daran gestört, dass Menschen, die sich innerhalb der Szene vielleicht besonders exzessiv zeigen, am nächsten Morgen ganz bieder in ihren Beruf zurückkehren.

Es wird deutlich, dass es jene gibt, die die wichtigen Werte verinnerlicht haben und jene, die sich einem permanenten Zwang aussetzen, sich profilieren zu müssen. Diese menschlichen Wesenszüge lassen sich aber in jeder Gemeinschaft finden. Auch, wenn die Erkenntnis vielen nicht angenehm ist, aber auch Gothic ist nicht frei von Sanktionsmechanismen oder Diskriminierung. Auch hier scheint es so etwas wie eine Normkontrolle zu geben, obwohl immer wieder auf Individualität gepocht wird.

Bei Personen, die nicht in das gängige Bild passen, wird ebenso reagiert, wie in der Normgesellschaft. Es findet ein Ausschluss statt, begleitet von Naserümpfen, Auslachen oder Tuscheln. Es hat sich ein gängiges Schönheitsbild etabliert, welches Individualismus ohne Kritik fast nicht mehr zulässt. Markenbewusstsein steht häufig schon über der eigentlichen Gesinnung, nach der kaum ein Gothic innerhalb der Szene gefragt wird. Spätestens jetzt sollte man sich auch als Szenegänger fragen, ob man wirklich noch individuell ist oder wiederum nur ein Bildnis der gängigen Ansprüche. Unterwirft man sich schon den gängigen Dresscodes oder der verlangten Ästhetik?





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