Startseite

Lagerverkauf



» im Shop suchen
 
  »  Newsletter bestellen
»  Links / Banner
Logo 'PayPal empfohlen'

NEU im Shop

 
      Mittelalter ALLE Preise inkl. 19%MwSt zzgl. Versandkosten   
Kinder-Barett Samt
Kinder-Barett Samt Copyright 2005 | www.dark-fashion-shop.de

 Mittelalter - Kinder-Barett Samt  
Mit diesem zweifarbigen Barett aus Baumwollsamt wird Euer mittelalterliches Kostüm komplett.

Material
100% Baumwolle

6,66 €    Detailinformationen    ArtNr | 08365

Früh- und Hochmittelalter
Zeiten des Umdenkens – das Frühmittelalter löst die Antike ab
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Der Übergang von der Antike zum Frühmittelalter lässt sich nicht auf ein gewisses Datum festlegen, sondern gilt eher als eine Phase des Wandels. Je nach wissenschaftlichem Forschungsansatz gilt die Zeit des Todes des oströmischen Kaisers Justinian (565) bzw. der Einfall der Langobarden in Italien (568) als Beginn der mittelalterlichen Zeit. In Byzanz/Ostrom wiederum sorgen andere Ereignisse für die Verdrängung der Antike oder Spätantike. Grob umrissen wird der Auftakt zum Mittelalter daher zwischen dem ausklingenden 5. Jahrhundert und dem 7. Jahrhundert festgelegt.

Mit dem Zusammenbruch des Weströmischen Reiches herrschten in Westeuropa über einen ansehnlichen Zeitraum Gesetzlosigkeit, Barbarei und wirtschaftlicher Stillstand – die Dunkle Zeit hatte die Menschen fest im Griff. Westlich des Rheins sowie südlich der Donau wurde eine römisch geprägte Landschaft hinterlassen, deren Bevölkerung romanischer Natur sich weiterhin bemühte, weltliche wie auch kirchliche Verwaltungen fortzuführen. Dennoch verschwand die geschaffene Infrastruktur der Römer zusehens. Durch das Eindringen der Germanen verbreitete sich die Stammeskultur, welche die Loyalität des Einzelnen als Grundstein ansah. Die Kirche, deren Machtzentren Rom und Irland waren, verbreitete ein Minimum an Wissen und sorgte gleichzeitig mit dem Einfluss außergewöhnlicher Anführer aus dem weltlichen Sektor, die für die Stabilisierung der Gebiete Sorge trugen, und der Renaissance von Handels- und Wirtschaftszweigen für die Erholung des Territoriums. Dennoch lebte beispielsweise ein Bauer am Rhein um das Jahr 600 in primitiveren Verhältnissen, als seine Vorgänger um die Zeit von Christi Geburt herum.

Zu Beginn des Frankenreiches stand der Merowinger Chlodwig (482 bis 511) an der Spitze der Macht. Dessen Nachfahren dehnten die Grenzen ihrer Regierungsgewalt immer weiter aus, um schließlich die Vorherrschaft in Mitteleuropa zu erlangen. Die drei „Supermächte“ – das Oströmische Reich mit der dominierenden Metropole Byzanz, das islamische Kalifat und das Fränkische Reich – bestimmten zu dieser Zeit das Weltbild. Karl der Große errang ab Oktober 768 die Krone des Fränkischen Reiches und wurde ab 800 zum römischen Kaiser. Unter Karl Martells Enkel, welcher schon vor seinem Tod den Beinamen „der Große“ trug, erfuhr das Wachstum des Herrschaftsgebietes bis dahin ungekannte Ausmaße. Der Großvater begann, was der Enkel fortführte. 717 wurde gegen die Friesen in den Krieg gezogen, 724 gegen die Sachsen und 725 nahm er es mit Alemannen, Sweben und Bajern auf. Der Vater des späteren Kaisers zog zwischen 753 und 757 mit den Sachsenfeldzügen in die Geschichte ein. 772 begann Karl der Große, welcher im Nachhinein als „Pater Europae“ heiliggesprochen wurde, die 32 Jahre andauernden Sachsenkriege.

Den Karolingern folgten die Ottonen, unter deren Regenschaft die Kirche nun auch zu weltlicher Macht kam. Um sich der Unterstützung aus diesen Reihen sicher sein zu können, besetzte Otto I. der Große geistliche Ämter mit Vertrauten Kirchenvertretern und stattete Sie mit Lehen und Regalien aus. Erst der letzte Herrscher der Linie, Heinrich II., versuchte der Verweltlichung der Kirche Einhalt zu gebieten.

Ein wildes Volk mit großem Einfluss – die Wikinger kommen!
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Wir schreiben das Jahr 793, ein Morgen im Juni. Vielleicht zog der Nebel noch in dichten Schwaden über die Küsten, als plötzlich die Silhouette eines unwirklich anmutenden Schiffes die Ankunft einer todbringenden Horde ankündigt. In diesem Moment verändert sich das Leben der Menschen an Schottlands Küste. Kaum einer wird den Angriff überlebt haben, ganze Orte wurden ausgelöscht. Das Kloster St. Cuthbert ist unter anderem Ziel dieser Reise, um dort Schätze, Gold und Edelsteine den Besitzer wechseln zu lassen. Von diesen Taten wissen wir heute nur, weil der Gelehrte Alkuin vom Hofe Karls des Großen sie niederschrieb. Eine neue Periode hatte begonnen – die Zeit der Wikinger!

Wie viel von dem wahr ist, was wir heute über dieses Volk wissen, ist unklar. Nur einer, der selbst am Ruder eines Schiffes stand und alles hautnah miterlebt hat, könnte darüber berichten. Die überlieferten Quellen sind größtenteils von Mönchen erstellt worden, die einen Raubzug der „Horden“ miterleben mussten und daher als nicht unbedingt objektiv einzuschätzen. Das Bild eines behörnten Helmes beispielsweise ist rein der Fantasie entsprungen und tauchte vermutlich erstmals 1869 auf einem Kostümball in Stockholm auf. Viel zu hoch wäre die Behinderung oder das Verletzungsrisiko in Schlachten gewesen, hätten die tierischen Elemente tatsächlich die Kopfbedeckung geziert.

Die Stadt Haithabus ist ein Beispiel für die Widerlegung des ausschließlich blutigen und raubenden Wikingerbildes. Hier sollen Germanen, Nordmänner und Slawen friedlich nebeneinander gelebt haben. Historiker der Cambridge Universität wollen sogar festgestellt haben, dass der Wikinger kein muffiges oder gar ungepflegtes Erscheinungsbild bevorzugte, sondern einen Sinn für Mode und Hygiene hatten. In Gräbern fand man einfache Scheren und Kämme, während der Geschichtsschreiber John of Wallingford über die Männer aus Skandinavien zu berichten wusste, dass sich jeden Samstag gewaschen und die Kleidung regelmäßig gewechselt wurde.

Die Unterscheidung zwischen Räuber und Kaufmann fiel in dieser Zeit nicht immer leicht. Manche Vertreter des nordischen Volkes nutzte die Seereise eben nicht für Raubzüge, sondern betrieb regen Handel über weite Strecken. Ackerbauern und Viehzüchter sorgten für haltbare Lebensmittel. Aus dem Norden kommend lagerten die Schiffe Honig, Felle und haltbaren Stockfisch, um damit den Mittelmeerraum zu bedienen. Auf der Rückfahrt hatte selbes Schiff dann Öl, Wein, Früchte oder Gewürze exotischer Herkunft geladen.

Primogenitur – der Älteste erbt alles!

Dieses skandinavische Erbrecht mag einer der Gründe dafür gewesen sein, warum einige Männer der nordischen Stämme sich dem Vorbild der Seeräuber anschlossen. Den jüngeren Brüdern blieb nur die Wahl zwischen Arbeit oder Plündern. Überbevölkerung, Unzufriedenheit und Abenteuerlust mögen das Übrige dazugetan haben, um aus einfachen Handwerksleuten oder Bauern den zu Wasser fahrenden Schrecken zu machen. Die Wikinger machten sich in Osteuropa einen Namen als Fernhändler und Begründer reicher Zentren für Handel und Handwerk. In Nordwesteuropa hingegen eilte ihnen ein Ruf als raubende und mordende Horden voraus. In kleineren Gruppen von bis zu 300 Mann begannen die Raubzüge mehr zu werden, als nur Plünderungen des Goldes wegen - viel wichtiger wurden bald Ländereien. Die Armee weitete sich auf bis zu 1000 Mann aus und überrollte die hastig zusammengestellten Bauernhaufen, die ihnen den Weg versperren sollten.

Bereits 795 wurden die Küsten Irlands angesteuert, um schon knapp 30 Jahre später bis ins Landesinnere vorzudringen. 839 zog man sich nicht mehr in heimatliche Gefilde zurück, um dort zu überwintern, sondern blieb auf irischem Boden. Mit der Gründung von Dublin wurden die Wikinger zu Städtegründern und etablierten sich als Kaufleute. Europäisches Festland sollte wie England schon bald zur Heimat der nordischen Männer werden. Orleans, Angers und Tours sind nur wenige der zerstörten Städte, die den Horden zum Opfer gefallen sein sollen. Städte wie Paris wurden eingenommen und der Wikinger Rollo, der von Karl III. ein Gebiet erhielt, welches die heutige Normandie darstellt, schaffte es, dieses noch vor der Vererbung an seinen Sohn größtenteils zu unterwerfen. 933 wurde vollendet, was der Vater begonnen hatte und die Normandie war unter Wilhelm gänzlich in der Hand der Normannen.

In die gänzlich entgegengesetzte Richtung zog es den Entdecker, Eroberer und Seefahrer Erik „der Rote“ Thorvaldsson. Der um 950 geborene Wikinger wird durch seine Taten in die Geschichte eingehen und im Zuge der Erfüllung seines Schicksals das „grüne Land“ mit der ersten skandinavischen Siedlung zu einem wichtigen Punkt seines Lebens machen. Der Vater – ein Mörder – floh aus Norwegen, um sich mit der Familie in Island niederzulassen. Dort konnte Erik seinem Schicksal nicht ausweichen und trat in des Vaters Fußstapfen. Verbannt für 3 Jahre und gezeichnet mit dem Stigma eines Mörders, erkundete er ohne Frau und Kinder die Küsten Grönlands. Nach seiner Rückkehr aus der Verbannung brach er um 985 aus den Gefilden der alten Heimat mit 25 Schiffen auf, wovon aber nur 14 an der Küste des „grünen Landes“ ankamen. Grönland war wie geschaffen für die Isländer, wodurch einerseits immer mehr nachkamen, andererseits aber auch eine Seuche mit einschleppten, welche Erik das Leben kosten würde.

Kleidung als Schutz – Mode im Frühmittelalter
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Bis etwa 500 Jahre nach Christi Geburt trugen germanische Männer der unterschiedlichsten Stände Hosen, welche bis etwa zu den Knien gingen und aus Wollstoffen, Leinen oder Fellen gefertigt wurden. Farbenfroh war auch schon zu dieser Zeit gern gesehen, so konnten die Kleidungsstücke in Rot, Blau, Lila oder Erdtönen individuell gestaltet werden. Gehalten wurden die Hosen an ihrem Platz, indem man durch die angebrachten Schlaufen eine Schnur oder einen Ledergürtel zog. Um nicht die blanken Waden den Naturgewalten aussetzen zu müssen, wurden diese mit Wadenbinden aus entsprechenden Materialien eingehüllt. Die Füße versah man gleichzeitig mit simplen Bundschuhen, welche sich bis in das Hochmittelalter bei der bäuerlichen Bevölkerung hielten. Ärmellose Kittel waren annähernd in Form eines Hemdes geschnitten, jedoch seitlich zuweilen nur mit Bändern verschlossen. Mäntel waren meist rechteckig und wurden auf der rechten Schulter mit einer Fibel zusammengehalten. Zu dieser Zeit war das Hauptanliegen an die Kleidung, den Körper vor den Einflüssen der Natur zu schützen.

Das weibliche Pendant musste sich mit einem leinenen Hemdrock ohne Ärmel zufriedengeben, welcher jeweils an der Schulter mit einer Fibel gehalten wurde. Ein großes Umschlagtuch konnte auch schützend über den Kopf gelegt werden, wenn es die Umstände erforderten. Der Gürtel mit Schnallenverschluss diente häufig dem Befestigen eines kleinen Beutels. Das Haar trugen unverheiratete Frauen offen und durften es mit beispielsweise einem Metallreifen versehen. Germaninnen, die bereits vergeben waren, hatten das Haar mit Nadeln und Kämmen zu bändigen und hochzustecken. Unter Fränkinnen und Alemanninnen wurde das Einflechten von Bändern in die Haare gern genutzt.

Das, was sich in den nächsten Jahren oder Jahrzehnten durch die Kleidung feststellen ließ, wurde zum Beginn des Frühmittelalters mit Schmuck und dessen Wert ausgedrückt. Dem Stand entsprechend trugen beide Geschlechter Ketten, Finger- oder Ohrringe und Armringe.

Die Welt verändert sich

Mit den Merowingern im Königshaus floss der oströmische Stil auch in die Kleidung der Menschen ein. Ein weiter Rock, dessen Ärmel eng anliegend bis zum Handgelenk gingen, löste den Kittel der germanischen Kleidung ab. Angefertigt aus Leinen oder Wolle war er für die niederen Stände vorbehalten, während sich der hohe Adel und das Königshaus mit luxuriösen Seidenstoffen einhüllten. Die Beschaffung der edlen Stoffe fand entweder durch die Geschenkgabe oströmischer Kaiser oder durch die Erbeutung bei Kriegszügen statt. Einzig der charakteristische germanische Gürtel war von der ursprünglichen Kleidung erhalten geblieben.

Auch bei den Ehefrauen der Könige lässt sich die Veränderung der Kleidung im Nachhinein bestätigen. Purpurgewänder – ein kostbares Seidengewebe in allen möglichen Farben – zählten zu den beliebtesten Stücken der adeligen Frauen und wurden stets mit luxuriösen Schmuckstücken getragen. Anhand des Beispiels der merowingischen Königin Arnegundis – gestorben 561 – lässt sich durch den Grabfund erläutern, wie ein übliches Gewand ausgesehen haben kann. Ihren Körper zierten ein Hemd aus feinstem Leinen sowie ein violettes Unterkleid aus Seide, welche kurz vor dem Knie endeten. Leinenstrümpfe bedeckten die Beine und wurden um die Waden von kreuzweise gewickelten Riemen gehalten. Das lange Oberkleid war aus rotbrauner Seide gefertigt und mit Goldfäden bestickt. Zusammen mit den orientalisch-byzantinischen Motiven ergab sich ein prachtvolles Bild des vorne geöffneten, rundum bis zu den Füßen reichenden Kleides. Der lederne Gürtel um die Hüfte wurde über zwei Reihen von Dreiecken und nicht wenigen Lederstreifen versehen. Letztere waren vergoldet. Der Satinschleiher fiel bis auf die Hüfte herab. Als Grabbeigabe fand man noch zwei Ohrringe und einen goldenen Siegelring mit dem Namen der Toten an ihrem Daumen.

Mit den Karolingern wurde das Gewand zum Statussymbol

Mit dem Machtwechsel, durch welchen im 8. Jahrhundert das Geschlecht der Karolinger in die Königshäuser einzog, vollzog sich auch ein Wandel in Bezug auf die Kleidungssymbolik. Die höchsten des Adelsstandes, geistliche Lehnsmänner und Mitglieder der Königsfamilie nutzten kostbare Gewänder eindeutig als Symbol ihres Standes. Einzig der Kaiser sah in den Kleidungsstücken noch immer eher den Nutzen als die Symbolkraft. Karl der Große zog ein Schafsfell vor, wenn es nicht darum ging, sein Reich zu präsentieren. Zu Feiertagen oder öffentlichen Ereignissen wurde ein Fischotter oder Zobelpelzrock angelegt. Die Höchsten aus der Reihe seiner Lehnsleute waren mit kostbaren Hermelinfellen, teuren Marderfellen oder den Häuten phönizischer Vögel oder Pfauen, welche mit Seide eingefasst wurden, somit oft luxuriöser gekleidet, als das Oberhaupt selbst.

Die Frau des Kaisers, seine Töchter, aber auch sein Sohn Ludwig der Fromme waren in Bezug auf ihre Kleidung alles andere als bescheiden. Angilberts Schilderungen in einem Gedicht zufolge waren die Frauen bei einem Jagdzug mit Goldschmuck behangen, die Mäntel und Schleier mit Goldfäden verziert, die Haare mit Goldschnüren durchflochten und das Haupt mit Kronen oder Diademen besetzt. Smaragd, Topas oder andere kostbare Steine verzierten die Ketten, die sich um den Hals legten.

Nur, wer wirklich von hohem Rang war, konnte sich Hemd und Hose aus Leinen als „Unterwäsche“ leisten. Darüber wurde bei den Herren ein Rock mit engen Ärmeln, entsprechend den Herrenhemden unserer Zeit, getragen. Dieser endete nach byzantinischem Vorbild mit einem Saum und ging dem Träger bis zu den Knien. Die Hose, Beinbinden für die Unterschenkel und der von einer Fidel gehaltene Mantel wurden feiner, aber nicht groß verändert.

Bei den Frauen des Adels hielt sich die Mode der Römerinnen aus dem 5. Jahrhundert. Das lange, weite Unterkleid wurde zunächst von einem Oberkleid bedeckt, welches etwas kürzer war. Später wurde es abgelöst von einem Oberkleid, das ebenfalls lang und mit engen Ärmeln versehen war. Man orientierte sich an der byzantinischen Mode.

Unfreie Bauern konnten sich oftmals nicht einmal eine Hose und ein Paar Schuhe leisten, dennoch wurde die germanische Tracht – Kittel, Hose und Bundschuhe - hier nach Möglichkeit gerne beibehalten. Karl der Große soll nach seiner Krönung im Jahr 768 ein Gesetz erlassen haben, durch welches den Bauern das Tragen der Kleidung vorgeschrieben wurde:

„Da traf er (Karl der Große) sogleich Bestimmungen über die Kleidung der Bauern. Die wurden vom Papst bestätigt. Jetzt will ich euch sagen, was der Bauer nach dem Gesetz tragen durfte: nur Schwarz oder Grau, nichts anderes erlaubte der Kaiser. Keilstücke nur an den Seiten, das ist seinem Stand gemäß und Schuhe aus Rindsleder, sonst nichts. Sieben Ellen Stoff auf Hemd und Hose, aus grobem Tuch. Wenn er Stoffkeile hinten und vorne trägt, hat er gegen seinen Stand verstoßen“

Entnommen wurde dieses „Gesetz“ Joachim Bumkes „Höfische Kultur – Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, Band 1, München 19874, S. 172.

Die Keilstücke an den Seiten sollten dem Bauern die Bewegung bei der Arbeit ermöglichen. Sie vorne und hinten zu tragen, das blieb dem Adel des 11. Jahrhunderts vorbehalten, welcher dies als schick und vornehm ansah. Ein Vorgang, der unternommen wurde, um die Röcke besonders weit werden zu lassen. Um sich von der Durchführung dieses Gesetzes mehr Erfolg erhoffen zu können, wurde Karl der Große der Einfachheit halber rückwirkend zum Urheber des Erlasses gemacht.

HOCHMITTELALTER
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Schöne Künste und große Schritte – das Hochmittelalter beginnt!

Das Hochmittelalter beginnt in West- und Mitteleuropa in der Mitte des 11. Jahrhunderts. Wie zu jeder Zeit des Wandels und Umbruches lässt sich der Anfang wie auch das Ende nicht auf ein genaues Datum beschränken, sondern orientiert sich an Ereignissen. Auf die hier bezogenen Bereiche lässt sich der Zeitrahmen vom 11. bis in das 14. Jahrhundert wählen, weil sich in Europa tatsächlich vieles veränderte.

Ausgelöst durch ein enormes Bevölkerungswachstum, passten sich die unterschiedlichsten Bereiche des menschlichen Lebens an die neuen Verhältnisse an. Es musste mehr erwirtschaftet, Produktionsmethoden verbessert und neue Gebiete erschlossen werden. Das Leben und die Arbeit veränderten sich Zusehens. Wo vorher rund 98 % der Menschen auf dem Land lebten und ihrem Handwerk nachgingen, zog es nun immer mehr in die Städte hinein. Die Selbstversorgungswirtschaft wurde durch regen Handel und Dienstleistungen abgelöst. Ein Bogner musste auf einmal nicht nur auf Bestellung arbeiten, sondern konnte sich einen Vorrat unterschiedlicher Gegenstände anlegen, um diese zu veräußern.

Ein Umbruch fand auch bei den geistlichen Vertretern statt. Die Kirche entwickelte nach innen eine klare Hierarchie und musste nach außen mit den Herrschern um die Macht kämpfen. Durch die kritisierende Haltung der Menschen an diesem Machtkampf kam es zu Reformbewegungen. Bildung war auf einmal wieder wichtig. Es entstanden Dom- und Klosterschulen sowie Universitäten, wodurch Schriftstücke der Vergangenheit wieder entdeckt, gelehrt und verbreitet wurden. Die Literatur nährte sich von den neuen Lesern und brachte so manches Werk heraus, das auch heute noch zu begeistern weiß. Das Gesinde war von diesem Privileg weiterhin ausgeschlossen, aber der Adel wie auch Beamte wussten diesen Genuss zu schätzen.

Nicht nur die Kunst des geschriebenen Wortes veränderte sich, sondern auch die der Malerei. Auf die Leinwand kamen Bilder mit geistlicher Thematik, aber auch darstellend die Natur und der Alltag. Geistliche Orden und das Rittertum blühten auf, ebenso wie der Minnesang und ein neues Verständnis der Liebe zwischen Mann und Frau. Die Mode vollzog mehrere Wandlungen und entwickelte sich unter ausländischen Einflüssen immer weiter. Die Romanik beherrschte das architektonische Bild und die Wirtschaft erfuhr bis dahin ungekannte Veränderungen mit der Ausbildung eines Bankensystems.

Umworben von Worten – Minnesang und Epen im Hochmittelalter
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Während das Empfinden von Liebe für einen Menschen heutzutage meist trivial geäußert wird, war im Mittelalter gerade dieses Thema das wichtigste für den Minnesang. Hierbei stehen sich die hohe und die niedere Minne gegenüber, die ganz erheblich von der sozialen Stellung und dem Verhalten der Frau beeinflusst wurde. Hier lässt sich die Blütezeit des Minnesangs definieren, neben dem noch das Tagelied und das Kreuzlied entstanden. Walther von der Vogelweide, Hartmann von Aue und Heinrich von Morungen sind wohl die bedeutendsten Vertreter dieser wortreichen Kunst und sorgten gleichzeitig für eine Weiterentwicklung der Spruchdichtung.

Die hohe Minne entwickelte sich zum Ende des 12. Jahrhunderts im Minnesang. Der Werbende – meist Ritter - betet züchtig die begehrte Frau aus der Ferne an. Er spricht über die einseitige, aussichtslose Liebe zur Angebeteten, die überhöht dargestellt wurde, und akzeptiert diese hoffnungslose Beharrlichkeit. Während im Frühmittelalter die Frau noch keine Rechte hatte, wird sie in dieser Form dem werbenden Manne übergeordnet. Er würde sich in den Dienst der Dame stellen, um als Lohn im ideellen Sinne Anerkennung für seine Haltung und Ausdauer zu ernten. Mit der Verehrung der Dame ließen sich Waffen- und Heldentaten erklären, die natürlich rein zum Zwecke des Umwerbens begangen wurden. Entfernt ist diese vergleichbar mit dem der Zeit des Mittelalters entsprechenden Lehenswesen, doch statt Materielles anzustreben, soll eine ethisch-moralische Vervollständigung der eigenen Person erreicht werden. Meist blieb die Anbetung des Mannes unerhört, sodass sich die hohe Minne auch als Leidsang bezeichnen lassen könnte.

Ein wahrer Meister seines Faches war „Reinmar der Alte“ oder auch „Reinmar von Hagenau“, der in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts von sich reden machte. Im Folgenden ein Beispieltext seiner hohen Minne:

„Wohl dir, Frau, was für ein reiner ‚Name‘! Wie angenehm er sich doch anhört und ausspricht! Nie gab es etwas so Rühmenswertes wie dich, wenn du dich in richtiger Güte zeigst. Niemand ist beredt genug, dich hinreichend zu loben. Wenn du jemandem richtig treu bist, so ist der glücklich und kann fröhlich leben. Du machst alle Welt hochgemut: gib doch auch mir eine kleine Freude!“

Oder für diejenigen unter uns, die es in Mittelhochdeutsch lesen möchten:

„Sô wol dir, wîp, wie reine ein nam! Wie sanfte er doch z erkennen und ze nennen ist! Ez wart nie niht sô lobesam, swâ dûz an rehte güete kêrest, sô dû bist. Dîn lop mit rede nieman volenden kan. Swes dû mit triuwen pfligest wol, der ist ein sælic man und mac vil gerne leben. Dû gîst al der welte hôhen muot: maht ouch mir ein wênic freude geben!“

Minnesang war aber nicht das einzige Mittel, um andere an einer Situation teilhaben zu lassen. Es entstand das höfische Epos und Heldenepos. Hartmann von Aue schuf mit „Erec“ um 1180 den ersten deutschen Roman, welcher sich um Artus drehen sollte. „Parzival“ von Wolfram von Eschenbach ist das wohl bedeutendste Epos der mittelalterlichen Zeit und „Tristan und Isolde“ aus der Feder von Gottfried von Straßburg dürfte fast jedem ein Begriff sein. Die Vagantendichtung stellte die Gegenstände des irdischen Lebens dar und bildete somit einen weitreichenden Kontrast zu Minnesang oder Epos. Sie wurde in lateinischer Sprache verfasst. Als berühmtestes Werk ist hier die „Carmina Burana“ anzuführen.

Medizin und Hygiene im 13. Jahrhundert
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Oft haben die Menschen von heute ein Bild des Mittelalters im Kopf, welches ganz einfach nicht richtig ist. Sicher waren die Menschen in vielen Bereichen noch nicht so weit entwickelt, wie es heute ist, aber irgendwo müssen ja die Anfänge beispielsweise der Medizin liegen. Sicherlich war die Lebenserwartung nicht so hoch wie heute und die Sterberate der Kinder um ein Vielfaches höher, aber das Bild vom dahinsiechenden Menschen, welcher mit eitrigen Zähnen und Gicht in den Knochen seine letzten Tage erlebt, ist schlicht und ergreifend nicht richtig. Wie der menschliche Körper in der Vorstellung der hochmittelalterlichen Medici ausgesehen haben könnte, wollen wir hier erläutern.

Das Model der vier Säfte – die Humoralpathologie

Hippokrates sorgte mit seiner Lehre von den vier Säften, welche im Körper eines jeden Menschen zu finden sein sollen, bereits in der Zeit ab ungefähr 400 v. Christi Geburt für einen bedeutenden Fortschritt in diesem Bereich. Auch spätere Abschriften und Weiterentwicklungen besagten, dass der menschliche Körper aus Blut, gelber Galle, schwarzer Galle und Schleim bestand. Kam es zu einem Ungleichgewicht, entstanden Krankheiten oder Unwohlsein. Eine Definition fand nach den Elementen, Temperament des einzelnen Menschen, seiner Eigenschaften, Entwicklung, Geschlecht und dem Geschmack statt. Einzig ein fehlender Blutkreislauf führte zu weit hergeholten Annahmen. So dachte man, dass die Gefäße des Menschen nur in eine Richtung arbeiteten, um die essenziellen Stoffe und Energie zu Organen und Muskeln zu transportieren. Essen wurde damaligen Vorstellungen nach direkt im Magen in Blut gewandelt und gelangte von dort aus in die Gefäße, um hier verbraucht zu werden.

Das Blut wurde dem Element Luft zugeordnet und entsprach dem Sanguiniker. Diese Menschen werden als lebhaft definiert, wollen aber so viel wie möglich mitteilen und stehen gerne im Mittelpunkt. Sein heiteres Gemüt sorgt vielerorts für gute Laune und entwickelte sich schon in den Kindertagen. Dieser Saft wurde dem Maskulinen zugeordnet und besaß in der Vorstellung einen süßlichen Geschmack.

Die Gelbe Galle entspricht dem Element Feuer und galt als charakteristisch für Choleriker. Ohne Zuordnung zu einem spezifischen Geschlecht war dieser in der Jugend entstehende Saft ein Übergangselement und die Geschmacksvorstellung eher bitter.

Das Element Erde wurde der schwarzen Galle zugesprochen und definierte den Melancholiker – entstehen würde diese im Erwachsenenalter. Spirituell behaftet musste die einem trotzigen Gemüt entsprechende Eigenschaft nach dem Wissen des Klerus die Erbsünde der Menschen widerspiegeln und regelmäßig durch Aderlass aus dem Körper transportiert werden. Der biblischen Entstehungsgeschichte folgend, ist es nicht weiter verwunderlich, die Zuordnung der schwarzen Galle im femininen Sektor zu finden und ihr einen scharfen Geschmack beizumessen.

Wie auch der Phlegmatiker hatte der Schleim eher träge Eigenschaften und wurde dem Element Wasser zugeordnet. Der vierte Saft beschließt den Kreis und entstand dem Glauben nach im Greisenalter. Er stellte ein weiteres Übergangselement dar und wurde mit einem salzigen Nachgeschmack versehen.

Der Körper muss gereinigt werden – der Aderlass

Die Menschen des Mittelalters zur Ader zu lassen, war nicht nur die geläufigste Heilmethode für unterschiedliche Krankheiten, sondern wurde auch vorsorglich angelegt. Die Vorstellung, „schlechtes Blut“ könnte sich in den Körperteilen stauen und somit ein Ungleichgewicht der vier Säfte hervorrufen, machte den regelmäßigen Besuch bei einem Arzt oder Bader zur Blutschau, dem Aderlass und weiterführenden medizinischen Ratschlägen nötig. Auch Hildegard von Bingen hinterließ zum Aderlass ihre Ansichten: „Wenn bei einem Menschen die Gefäße mit Blut überfüllt sind, müssen sie durch einen Aderlass von dem schädlichen Schleim und den durch die Verdauung gelieferten Fäulnisstoffen gereinigt werden.“ Das Fliet, mit welchem man den Aderlass durchführte, wurde erst im 15. Jahrhundert durch den Schnepper abgelöst. Wichtig für den Aderlass waren der Zustand des Mondes und die absolute Nüchternheit des Patienten und das Verhalten nach dem Eingriff.

Bei zunehmendem Mond soll die Verminderung des Blutes keines Falls stattfinden, weil sich die mit dem Saft vermischte faulige Flüssigkeit nicht so leicht von ihm trennen lassen könnte. Der Patient sollte nüchtern erscheinen, weil die vorhandenen Säfte in diesem Zustand noch vom Blut getrennt wären und dieses in passender Weise fließen würde. Nur, um eine Ohnmacht zu verhindern, durfte der Patient vorher eine Kleinigkeit zu sich nehmen. Je nach Befund wurde eine der drei Adern – die eigentlich Venen waren – gewählt, um den Menschen von seinem Blut zu reinigen. Der mittelalterlichen Vorstellung nach flossen in der Kopfader mehr Säfte, als in der Mittelader oder der Leberader, wodurch eine Blutziehung an dieser Stelle als gesünder erachtet wurde. Wer unter anderem unter Phlegma im Brust- oder Kopfbereich oder aber Brummen im Kopf mit eventuellem zeitweisem Verlust des Gehörs litt, sollte mit einem Schnitt in die Kopfader davon befreit werden. Menschen mit traurigem Herzen oder bedrücktem Gemüt und Schmerzen in Lunge oder Seiten half man mit einem Schnitt an der Mittelader. Wer Beschwerden an Leber, Milz oder Atembeschwerden in Hals oder Kehle hatte, dem wurde der Aderlass an der Leberader durchgeführt.

Nach der Durchführung sollte der Patient sich keinem Licht aussetzen, da hierdurch das Blut wieder erschüttert werden würde, wodurch Schäden am Herzen entstehen könnten. Die Hitze der Sonne würde das Blut in der Umgebung der Augen zum Sieden bringen und damit die Membran austrocknen und zur Schwächung der Sehkraft führen. Starker Wein, ungewohnte Speisen, rohes Obst und Gemüse waren ebenfalls tabu. Der Verzehr von Käse war auch nach der Blutentziehung nicht gestattet, weil er dem Blut Schleim zuführen und es mit einem krankhaften Fettgehalt durchsetzen würde. Sich nicht dem Aderlass oder dem Schröpfen auszusetzen, könnte das Blut wachsig und unkräftig werden lassen, wodurch der Mensch in Krankheit verfällt.

In der mittelalterlichen Vorstellung sollte diese Behandlung sowohl bei Mädchen wie auch Jungen nicht durchgeführt werden, solange der Körper sich noch im Wachstum befand, weil diese Prozedur den Menschen körperlich schwächen würde.

Hatte ein Mann das 12. Lebensjahr erreicht, so könnte man unter bestimmten Umständen einen Aderlass durchführen. Das Blut dürfte jedoch nicht mehr als die beiden Hälften einer Nussschale füllen. Bis zum 15. Lebensjahr sollte der Aderlass nur einmal jährlich stattfinden. Danach verglich Hildegard von Bingen die Menge des abzuführenden Blutes mit der Trinkkraft des Patienten. So viel, wie ein durstiger Mann mit einem Zug trinken konnte, entsprach der Menge des Blutes. Das 20. Lebensjahr gestattete den Aderlass bei Krankheit, gebot aber bei der Menge einhalt. Man riet bei körperlicher Gesundheit zum Schröpfen oder Brennen (Moxibustion), weil die Entwicklung von Blut und entsprechenden Gefäßen noch nicht abgeschlossen sei. Ab 30 Jahren konnte der Blutentzug beim Manne nach belieben durchgeführt werden. Das 50. Lebensjahr schränkte durch den austrocknenden Körper wieder ein und es sollte nur noch einmal jährlich die Ader geöffnet werden, damit die Hälfte der gewöhnlichen Menge herausfließen konnte. Dies galt für Männer bis maximal zum 80. Lebensjahr.

Nach Meinung der damals lebenden Menschen hatte die Frau weitaus mehr schädliche Säfte und Fäulnisstoffe im Körper, als der Mann und sollte daher nach denselben Regeln wie ein Mann zur Ader gelassen werden, jedoch bis zum 100. Lebensjahr. Für das Vorhandensein der schädlichen Stoffe sprach sich auch die permanent wiederkehrende Regelblutung aus, derer Hildegard von Bingen wie folgt gegenüberstand: „Würde die Frau nicht von den schädlichen Säften und verdorbenen Fäulnisstoffen gereinigt, würde sie am ganzen Körper anschwellen und sich aufblähen und nicht leben können.“

Wer Weiteres über die Theorien der Hildegard von Bingen lesen möchte, dem sei an dieser Stelle „Die große Heilkunde der Hildegard von Bingen“ empfohlen, aus welchem auch die Zitate des Textes stammen.

Zahn- und Körperhygiene – keine Fremdwörter im Mittelalter!

Unbestritten gab es auch im Früh-, Hoch- und Spätmittelalter Menschen, deren Schädel im Nachhinein mit durch Eiter und Karies zerfressenem Kiefer gefunden wurde, aber sieht man sich die Menschen heute an, gibt es sie hier genauso. Zahnbürste, Zahnpasta und entsprechende medizinische Versorgung sprechen nicht unbedingt dafür, dass jeder Mensch sich so pflegt, wie er es tun könnte. Auch im Hochmittelalter standen – zumindest den besser gestellten Menschen – Mittel zur Verfügung, die für die Zahnhygiene genutzt wurden.

Mundgeruch bekämpfte man mit aromatischen Kräutern oder Hölzchen, Speiseresten rückte man mit Zahnstochern zu Leibe und die Zähne selber wurden mit Lappen aus Wollpuscheln oder Leinensäcken abgerieben. Das Werk „Physika“ von Hildegard von Bingen bestätigt, dass die Autorin den Menschen geraten hatte, den Mund mit kaltem Wasser auszuspülen, welches vor dem Ausspuken eine Weile darin behalten werden sollte, um Beläge aufzuweichen. Trota de Salerno hatte den Bürgern einen Vorgänger der Zahnpasta empfohlen, dessen Zutaten heute unmöglich erscheinen. Pulver aus gebranntem Marmorkalk mit gebratenen Dattelkernen, weißem Natron, gemahlene Ziegel und Bimsstein in ein Leinentuch zu legen, um damit die Zähne abzureiben, klingt für unsere Ohren wahrscheinlich mehr als ungewöhnlich. Dennoch versprach man sich davon besonders weiße Zähne. Ein anderer Gelehrter – Gilbertus Anglicus – sorgte mit einem Rezept für Kräuterkügelchen für frischen Atem. Nelken, Muskatnuss, Zimt, Muskatblüte, rotes Sandelholz und Quibibis Kardamom wurden mit Minzsaft vermischt und zu Kügelchen geformt, um zwei davon unter die Zunge zu legen.

Auch die Körperhygiene wird heute oftmals falsch gedeutet. Der jährliche Badetag im Mittelalter ist reine Fiktion, denn ab dem 13. Jahrhundert gab es in allen Städten und vermutlich auch in den größeren Dörfern Badestuben. Wer nicht die Mittel für diesen Luxus hatte, der hatte immer noch die Möglichkeit, sich mit einem Wasserkübel zu überschütten und somit zu reinigen. Das hartnäckige Gerücht, dass ein Badehaus unter Umständen zeitgleich ein Bordell gewesen sein mag, trifft mit Sicherheit auf so manche Einrichtung zu. Ein Fund über die Badebekleidung einer Bademagd aus dem 14. Jahrhundert bestätigt diesen Verdacht. Es handelt sich um ein knielanges Kleid aus durchsichtiger Seide, welches mit dünnen Trägern auf den Schultern gehalten wurde.

Im Hochmittelalter zeigt man, wer man ist!
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Im 10. Jahrhundert konnte man einen „Herrschenden“ anhand seiner Kleidung sofort von der dienenden Schicht unterscheiden. Weltliche Herrscher, adlige und geistliche Vertreter trugen bereits am Anfang des Hochmittelalters bevorzugt Gewänder, welche die byzantinische Mode widerspiegelten. Das hemdartige Untergewand, welches bis zu den Knöcheln reichte, wurde zusammen mit einem kürzeren Obergewand getragen. Die Beine wurden unter eng anliegenden Strümpfen verborgen, welche durch Nesteln – viele kleine Bändchen – an einem Gurt befestigt wurden, der um die Hüfte getragen wurde. Zu dieser Zeit waren die beiden „Hosenbeine“ also noch nicht miteinander verbunden. Noch bis in das 16. Jahrhundert hinein wurde es als modern angesehen, die Strümpfe nicht unbedingt in der gleichen Farbe oder Verarbeitung zu tragen. Wer es sich leisten konnte, behielt unter dem Untergewand noch ein Leinenhemd sowie eine Leinenunterhose an. Der mit einer Fibel gehaltene Mantel in rechteckiger Form, sowie die Schlupfschuhe blieben noch erhalten. Dalmatika, Alba, Stola und Pluviale waren die Elemente, die das Königs- bzw. Kaiserornat ab dem 12. Jahrhundert bis zum Jahr 1806 bei den Feierlichkeiten zur Krönung bildeten. Auch sie entsprachen dem Modevorbild aus Byzanz.

Die Dalmatika war ein violettes Unterkleid, welches über die Knie reichte und am Halsausschnitt mit einer Borte verziert wurde. Die Ärmel verjüngten sich nach vorne und wurden auf rotem Grund mit blätterartigen Zierraten aus Goldfäden sowie Perlen versehen. Darüber wurde die Alba gelegt, welche aus weißer Seide bestand und ebenfalls mit kostbaren Säumen besetzt war. Die Stola, ein langer, schmaler Streifen aus violetter Seide, wurde um den Hals gelegt, über der Brust gekreuzt und unter einem Gürtel befestigt. Sie war reich mit Edelsteinen und Perlen besetzt, während sich an den beiden Enden jeweils drei lange goldene Quasten befanden. Das Pluviale wurde in Form eines Halbkreises gefertigt und war im Prinzip ein offener Rückenmantel aus rotem Seidenstoff. Gefüttert wurde er mit Taft und reichte bis zu den Füßen des Tragenden. Gehalten wurde es durch eine goldene oder edelsteingezierte Spange sowie durch eine Schleife. Die äußere Rückseite zeigte mittig einen Lebensbaum, welcher mit Goldfäden eingestickt wurde. Flankiert wurde dieser zu beiden Seiten von der Darstellung eines Löwen und einem unter ihm liegenden Kamel.

Zum Königsornat gehörten weiter Handschuhe, Strümpfe, Schuhe und zwei Gürtel, die allesamt nicht weniger prächtig waren, als die bisherigen Bestandteile. Purpurseidene Handschuhe, bestickt mit Perlen und Edelsteinen, rote Seidenstrümpfe, welche am oberen Rand mit einer goldenen Borte versehen waren und mittels zweier Schnüre derselben Farbe an ihrem Platz gehalten wurden, sowie karmesinrote Schuhe aus Atlas, boten ein prunkvolles Bild. Abgerundet von einem Gürtel, der aus Seide bestand und mit Goldfäden bestickt wurde, wie auch einem, der aus vergoldeten Silberfäden gefertigt worden war, gab es nichts Vergleichbares.

Auch die geistlichen Würdenträger gingen mit der Mode!

Die Kirche ließ sich, wie die weltlichen Herrscher auch, von dem Stil aus Byzanz inspirieren. Bis heute sehen wir an Bischöfen, Erzbischöfen und am Papst die mittelalterliche Tracht, welche schon damals das Bild dominierte. Dennoch wurde auch in diesem Bereich schon durch die Kleidung nach Außen hin gezeigt, wer über wem steht. So ist die Alba des hohen Geistlichen ein bis zu den Füßen reichendes Unterkleid aus weißem Leinen- oder Seidenstoff. Um die religiösen Hüften wurde ein mit Stickereien besetzter Gürtel gelegt, welcher an den beiden Enden zierliche goldene Schellen oder Glöckchen aufzuweisen hatte. Den Hals schmückte eine Stola, welche schmal und häufig mit Kreuzen reich bestückt war. Das Band aus Wolle oder Seide wurde und wird über der Brust gekreuzt, um es anschließend unter den Albagürtel zu führen. Das Hals- oder Schultertuch wird unter der Alba getragen, um die Schultern zu bedecken.

Darüber werden Dalmatika und die Tunicella gelegt. Beide sind hemdartige Überziehkleider, von denen die rote Dalmatika für gewöhnlich länger ist, als die weiße Tunicella. Es war und ist kein Zwang, beide Gewänder gleichzeitig zu tragen, aber traf man die Entscheidung dafür, wurde die Dalmatica über die Tunicella gezogen. Der glockenförmige Umhang Casula ist ringsum geschlossen und wird ausschließlich als Messgewand zusammen mit dem Pallium getragen. Letzteres ist eine mit Kreuzen geschmückte Binde, welche über die Casula gelegt wird.

Ausschließlich auf Prozessionen wird das Pluviale getragen, der ein nach vorne geöffnetes und ursprünglich mit einer Kapuze versehener Umhang ist. Zur Ausstattung gehört auch ein Chorrock, der ähnlich der Alba ist, aber in den meisten Fällen nur bis zu den Knien reicht.

Lange Strümpfe aus violettem Samt oder Seide werden durch spezielle Bänder daran gehindert, zu rutschen und ergänzen mit geschlossenen Lederhalbschuhen, welche mit Goldstickereien, Perlen und Edelsteinen versehen wurden, die Kleidung des hohen Geistlichen.

Laut einer kirchlichen Verordnung durften die Handschuhe keine Naht aufweisen, weshalb sie im Allgemeinen aus einem Stück purpurfarbener Seide angefertigt und meist mit einem Kreuz auf der Oberseite bestickt wurden. Für den Kopf wählte man im Frühmittelalter bei den hohen Geistlichen eine einfache Rundkappe. In der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde diese durch die bis heute übliche Bischofs- und Erzbischofsmütze abgelöst. Die Mitra ist in schlichtem Weiß gehalten und mit zwei gleichlangen Bändern zu je einer Seite versehen. Zu höheren Kirchenfesten wird eine Variante aufgesetzt, die mit Perlen oder Goldfäden bestickt wurde.

Nicht jedem Mitglied der Kirche war das Tragen der hier aufgeführten Kleidungsstücke gestattet. Priester, die sich im Bezug auf die Weihe rangmäßig unter dem Bischof befanden, durften das Pluviale nicht anlegen. Diakonen, welche sich rangmäßig noch unter den Priestern befanden, durften auch die Casula nicht anlegen. Wie auch den weltlichen Herrschern wurde den geistlichen Oberhäuptern ebenfalls eine Krone zugesprochen: die Tiara. Sie wurde über die Mitra mit den herabhängenden Bändern gesetzt.

Mönche, Nonnen, Kleriker – ora et labora!

So, wie wir heute die Kleidung der Mönche, Nonnen und Kleriker sehen, bestand sie auch schon im Hochmittelalter.

Der Mönch wurde ausgestattet mit der Kutte, dem Skapulier und der Kukulle. Einer römischen Tunika gleicht die Kutte mit langen aber schmalen Ärmeln, welche um die Hüfte mit einem Ledergürtel gebunden wurde. Der Skapulier wird aus zwei Stoffstreifen gefertigt, welche über Brust und Rücken herabfallen, und mit einer Kapuze versehen. Ebenfalls mit einer Kapuze ausgestattet ist der Ausgehmantel, welcher ringsum geschlossen und mit sehr weiten Ärmeln gefertigt wurde: die Kukulle. Letzteres wurde nur ausgehändigt, wenn ein Mönch im Auftrag des Abtes das Kloster verließ.

Haus- und Arbeitskleidung bestanden aus der Kutte und dem Skapulier. Um auch für die Waschtage ausgestattet zu sein, bekam jeder Mönch die Kleidung in zweifacher Ausführung zur Verfügung gestellt. In den Sommermonaten wurde der Wechsel und somit das Waschen der Kleidung alle drei, im Winter alle vier Wochen vollzogen. Den Temperaturen entsprechend wurde das Gewand für den Sommer aus leichten Stoffen, die für den Winter hingegen aus dicken, wollenen Stoffen gearbeitet. Auch die Schuhe unterschied man je nach Jahreszeit. So gab es für die Füße entweder Sandalen oder geschlossenes Schuhwerk.

Da das Hochmittelalter auch die Blütezeit der Mönchsorden war, musste man sich etwas einfallen lassen, um Unterscheidungen zu erleichtern. Die Farbe war augenscheinlich der einfachste Weg, einen Benediktiner von beispielsweise einem Franziskaner zu unterscheiden. Erstere trugen ihre Gewänder in Schwarz, Zisterzienser, Dominikaner und Kartäuser in Weiß und Franziskaner die Ordenstracht in Braun. Weitere Merkmale zur Unterscheidung bot die Größe der Kapuze oder die Weite des Skapuliers.

Auch bei den Nonnen lässt sich das ursprüngliche Gewand bis heute finden. Beispielsweise trugen die Zisterzienserinnen einen weißen Ärmelrock, darüber den kürzere schwarze Skapulier und ebenfalls die weiße Kukulle, welche in Form einer Glocke bis zu den Knöcheln ging. In dem Fall dieser Ordensschwestern wurde über das Haar ein Kopftuch aus weißem Stoff gelegt und der gesamte Kopf- und Halsbereich mit einem schwarzen Schleier verhüllt.

Die Sprache der Farben

Die Menschen im Mittelalter nutzten die Farben, um gewisse Zugehörigkeiten zu symbolisieren, aber auch, um dadurch eine bestimmte Situation oder einen Gemütszustand zum Ausdruck zu bringen. Rot war schon bei den Germanen beliebt, weil sie als Farbe des Rechtes galt. Dem Thema Liebe widmete man in der Farbgestaltung besondere Aufmerksamkeit. So konnte ein verliebter Ritter seine Chancen anhand der Farbe der Kleidung der Angebeteten schon abschätzen. Rot wies in diesem Fall auf Freude Ehre und Liebe hin. Die Farbe Grün stand für den Anfang der Liebe oder eine Verliebtheit, währen Blau die Stetigkeit der Liebe und Treue symbolisierte.

Grau wurde zur Schau getragen, wenn die Liebe in Trauer war und Schwarz, wenn gar das Ende einer Liebe eintrat bzw. das Leid begann, wo die Freude endete. Wie auch heute in vielen Gegenden war Weiß die Farbe der Jungfrauen und jener, die Unschuld und Reinheit des Herzens zu zeigen wussten. Die Farbe Gelb stand bis ins Hochmittelalter für erfüllte Liebe, wurde ab dieser Zeit jedoch zur Farbe der Prostituierten und Juden. Wer heute die Farbe Grün als Farbe der Hoffnung bezeichnet, wird schockiert sein, dass im Spätmittelalter diese zur Farbe des Teufels und der Hexen abgewertet wurde.

Farbkombinationen waren ebenso aussagekräftig, wie die einzelnen Farben. Grün-Blau drückte den Anfang in der Stetigkeit aus, während die Kombination von Weiß und Blau für gutes Gedenken stand. Grün in Verbindung mit Schwarz drückte das Leiden aus, welches unverhofft auf einen erwartungsvollen Beginn folgte und die Verbindung von Schwarz mit Rot symbolisierte den grausamen Mord der schönsten Liebe.

Modisches für die Adligen

Während der Mann aus dem Volke stolz war, wenn er sich eine lange Hose in Erdtönen leisten konnte, weil er meist nur einen hemdartigen Leibrock – bei den Frauen hemdartige Kleider – anfertigen konnte, wurde im Adel das Modebild durch die byzantinische Prinzessin Theophanu bestimmt. Die Ehefrau des deutschen Kaisers Otto II. sorgte durch ihren Stil dafür, dass das Oberkleid im 10. Jahrhundert kürzer wurde und die eng anliegenden Ärmel durch weite Hängeärmel ersetzt worden war. Diese gingen unter Umständen sogar bis zum Boden. Farbenfrohe Kleider wie auch Schuhe trug man nun gerne und wer als besonders vornehm gelten wollte, wählte die Farbe Rot oder dunkelviolett. Schmuck musste ebenso bunt und pompös sein. Edelsteine wie auch Perlen wurden nicht nur an Hals und Finger getragen, sondern auch auf die Gewänder gestickt oder genäht.

Die Französin Agnes von Poitou beeinflusste an der Seite ihres Gatten Heinrich III. das Modebild im 11. Jahrhundert. Nun waren die Gewänder nicht mehr sackartig, sondern betonten den Körperbau bei Frauen und Männern. Über einem leinenen Unterhemd wurde ein farbiges Unterkleid getragen, dessen Ärmel immer noch eng anliegend waren und bis zum Handgelenk gingen. Bei Unter- und Oberkleid wurden die Armstücke mit kleinen Bändern festgehalten und ließen sich so auch separat abnehmen. Als Liebespfand bei einem Turnier galten diese Kleidungsstücke als heiß begehrte Souvenirs. Nicht wie bei den Bäuerinnen aus Wolle oder Leinen, sondern aus kostbarer Seide waren die Unterkleider der adligen Damen gefertigt. Schon im 12. Jahrhundert wurden die Oberkleider so eng geschnitten, dass die Brüste keinesfalls übersehen werden konnten. Bis zur Taille war alles körperbetont, um ab diesem Punkt in weiten Falten bis zu den Füßen herabfallen zu können. Atlas, Barchent, Brokat, Damast, Purpur, Samt oder Scharlach waren die bevorzugten Stoffe für diese Gewänder.

Umso bunter, desto besser – so könnte das Motto damaliger Zeiten gelautet haben. Nicht nur Unter- und Oberkleid hatten unterschiedliche Farben. Häufig war auch das Oberkleid mit zwei Farbbereichen versehen. Durchaus denkbar war somit beispielsweise die linke Seite des Gewandes in grünem Farbton zu halten, während die rechte beispielsweise durch Rot dominiert wurde.

Unter der Kleidung wurden sowohl von Männern wie auch Frauen Strümpfe getragen, welche mit Bändern unterhalb des Knies hielten.

Bauern hatten sich in dieser Zeit mit schwarzen oder graublauen Gewandungen zu kleiden, während der Adel und die Geistlichen die farbenprächtigsten Kleidungsstücke zur Schau trugen. Letzteren wurde im 13. Jahrhundert von einem Kölner Konzil untersagt, rote und grüne Stoffe, Schmuckärmel oder Schnürschuhe zu tragen. Dieses Verbot wurde von den hohen Geistlichen jedoch ignoriert.

Es reichte bald nicht mehr aus, nur noch die Kleider aus kostbarer Seide zu besitzen. Obergewänder und Mäntel der Adligen wurden innen noch mit Pelzen von beispielsweise Eichhörnchen, Iltis, Kaninchen, Fischotter oder mit gefärbten Stoffen gefüttert. Fürstliche Herrschaften hatten das Vorrecht auf Zobel- oder Hermelinpelze sowie das „Schwanenfell“. Diese nach einem gesonderten Verfahren bearbeitet Haut wies besonders weiche Flaumfedern auf und diente als Besatz oder Innenfutter.

Auch wurden die langen Mäntel im 12. Und 13. Jahrhundert nicht mehr mit einer Fibel auf der rechten Schulter zusammengehalten, sondern mit einer Schnur oder einer kleinen Kette vor dem Hals gebunden. Um diese zu befestigen, trug man auf jeder Seite des Mantelstücks eine Tassel. Nach diesen broschenähnlichen Schmuckstücken wurde der Mantel auch als Tasselmantel bezeichnet. Sie waren eine Art Abzeichen, wodurch es in Marseille zum Beispiel leicht zu habenden Frauenzimmern verboten war, Mäntel zu tragen, die mit Spangen besetzt waren.

Zur Zeit des Mittelalters hatte der Mantel auch im Rechtsbereich eine symbolische Bedeutung. Wer in Deutschland im 13. Jahrhundert ein voreheliches Kind hatte, nahm es bei der Trauung üblicherweise unter den Mantel oder den Schleier der Mutter, um diese „Mantelkinder“ zu ehelichen Kindern werden zu lassen.

Mode mit Symbolkraft für Mann und Frau im Hochmittelalter

Die Gewandungen der adligen Herren im 12. Und 13. Jahrhundert war ebenso prächtig, farbenreich und raffiniert, wie die der Damenwelt. Auch hier wurden die Oberkleider im oberen Bereich eng zugeschnitten, um ab der Hüfte in Falten zu Boden zu fallen. Das Schnüren der Hemdärmel war wie bei den Damen auch unter ihnen und den Mönchen sehr begehrt. Kleidung, die einem Fest zu ehren getragen wurde, erhielt zum Teil noch den Besatz durch unzählige Perlen und kostbare Edelsteine. Hüte wie auch Hauben wurden mit Rubinen, Smaragden, Diamanten und Perlen besetzt, was ebenso für die Gürtel galt, obwohl die echten Perlen selbst für Adlige unerschwinglich waren. Glasmacher aus Venedig sorgten mit Glasperlen für einen trügerischen Ersatz.

Nicht nur der Mantel war im Mittelalter im Rechtsbereich ein wichtiges Symbol. Wer des Landes verwiesen wurde, hatte Schuhe und Gürtel abzugeben und wer in einem Kampf besiegt worden war, übergab dem Sieger seinen Gürtel. Um die Gattin völlig in seinen Besitz zu nehmen, wurde der Ehefrau am Hochzeitstag der Brautgürtel durch den Mann abgenommen. Kam eine Frau in die traurige Situation, ihren Mann zu Grabe zu tragen, konnte sie sich mit der Ablage des Hüftschmuckes oder des Mantels auf das Grab oder die Bahre des Toten von ihren Schulden befreien.

Das Aussehen definierte sich im Hochmittelalter jedoch nicht nur über die getragene Kleidung. Auch den Haaren widmete man viel Aufmerksamkeit. Das 12. Jahrhundert erlaubte den Männern, die Haare wieder in längeren Frisuren zu tragen, bei denen die Haare aber nicht über die Schulter gehen sollten. Locken waren „in“ und so versuchte man(n) mit Eiweiß und Brenneisen auch die letzte Strähne an der Stirn in eine künstliche Lockenpracht zu verwandeln. Die Perückenmacher gaben kahlköpfigen Männern ihre Haarpracht zurück. Für die Gesichtsbehaarung war meist das Alter ein ausschlaggebender Punkt. In jungem Alter waren die Adligen meist noch ohne Bärte zu sehen, während die Männer mittleren Alters einen vornehm gestutzten Kinn- oder Schnurrbart trugen. Auch das gehobene Alter schützt nicht vor Eitelkeit und so wurden die Vollbärte so mancher Männer mit geflochtenen Zöpfen oder Goldfäden verziert. Männer aus dem Volk hatten das Haar kurz zu tragen.

Wie auch die männlichen Vertreter wollten Frauen mittels Brenneisen die Haarpracht in Locken fallen lassen. Jungen Mädchen war es gestattet, das Haupthaar offen zu tragen und es mit Blumenkränzen, Kronen und Metallreifen zu schmücken oder Bänder hineinzuflechten. Die Kirche schrieb verheirateten Frauen vor, die Haare in der Öffentlichkeit unter einem Schleier zu verbergen, die bis in das 11. Jahrhundert hinein noch so durchsichtig waren, um darunter das Haar erkennen zu können. Das Gebende wurde im 12. Jahrhundert modern und machte durch die schmalen Tuchbänder, welche fest um Wangen und das Kinn gebunden wurden, auch das Sprechen, Lachen, Essen und - zuweilen – das Küssen schwer für die Frau. Der Wimpel wurde, wie das Gebende auch – vorzugsweise aus weißem Leinen gefertigt. Diese Kopfbedeckung war von der Kirche gern gesehen, da sie nicht nur das Haar, sondern auch den Hals verdeckte.

Schuhe – nicht nur ein Frauenthema!

Die Fußbekleidung war für Damen wie auch Herren eine wichtige Frage, obwohl nur die femininen Füße Sorge tragen mussten, bedeckt zu bleiben. Es galt als unschicklich und ordinär, einen weiblichen Fuß zu zeigen. Halbschuhe und kurze Halbstiefel wurden im 12./13. Jahrhundert aus Leder gefertigt, welches entweder schwarz oder farbig war. Stoffe wie Brokat waren ebenfalls gefragt für die Fußbekleidung und einen „Bundschuh“ hatte man im Adel schon lange nicht mehr gesehen. Die Innenseiten waren mit Spangenverschlüssen oder Schnüren versehen und endeten nach vorne manchmal mehr oder weniger spitz.

Eine Schuhform revolutionierte die Mode des 12. Jahrhunderts: der Schnabelschuh. Angeblich von Graf Fulko IV. von Anjou erfunden, um seine deformierten Füße verbergen zu können, waren die Schnabelschuhe allerdings keine neue Erfindung. Im Orient trug man diese Schuhform schon länger und gelangte vermutlich mit Kulturgütern durch die Kreuzzüge nach Europa. Hierzulande erfreute man sich über die Möglichkeit, mit den „neuen“ Schuhen nun endlich zwischen dem Rechten und dem Linken unterscheiden zu können. So, wie sich auch die Mode immer mehr in Richtung pompös entwickelte, erging es auch den Schnabelschuhen. Immer länger musste die zulaufende Spitze sein und wurde mit den aus der Zubereitung übrig gebliebenen Bestandteilen von Flachs oder beispielsweise Hanf, ausgestopft. Zu Kostbarkeiten wurden die Schuhe nicht zuletzt durch das Verzieren mit Perlen oder Goldstücken. Gerne trug man auch ein unterschiedlich gefärbtes Paar, wodurch wieder die Vorliebe für farbenfrohe Gewänder unterstrichen wurde. Die kostbare Fußbekleidung konnte man vor Dreck und Schlamm schützen, indem darunter die aus Holz gefertigten Trippen gezogen wurden. Diese Unterschuhe waren an der Sohle häufig mit zwei Absätzen verstärkt und wurden mit einem Lederriemen am Fuß befestigt. Man kann sich den Gang mit solchen Schuhen vorstellen, wie es die Chinesinnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts machen mussten.

Was vorerst dem Adel vorbehalten war, wurde schon bald auch für alle anderen zugänglich. Plötzlich konnte jeder Schnabelschuhe tragen, weshalb die Obrigkeit im 14. Jahrhundert versuchte, gegen diese Auswüchse einzugreifen. Beschränkungen der Stände und sogar Kaufverbote hatten jedoch keinerlei Wirkung auf das Volk. Selbst Ritter wollten und konnten nicht auf die spitzen Schnäbel an ihren Schuhen nicht verzichten. Während beim Reiten – sofern die eisernen Spitzen erst nach dem Aufsitzen angesteckt wurden – kaum Probleme bestanden, musste das Schuhwerk beim Kämpfen oder Gehen wieder in seinen ursprünglichen Zustand gebracht werden, da so ein Laufen oder gar Fliehen unmöglich gewesen wäre. An Einfallsreichtum mangelte es der Bevölkerung nicht. Um mit dem Schnabelschuh zumindest so weit laufen zu können, ohne über seine eigenen Füße zu fallen, wurden die Spitzen mit einer kleinen Kette am Knie hochgebunden.

Das Rittertum – von den Anfängen bis zum Untergang
-----------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Wer heute an Ritter denkt, sieht einen ehrenhaften Mann vor sich, der im Kampf, zu Ross oder auf seiner Burg stets die Tugenden wahrt und sich vor nichts fürchtet. Prächtige Burgen, edle Ritter und vor Liebe schmachtende Burgfräulein ist vielen Überlieferungen zufolge nicht immer die Realität gewesen. Oft genug haben die Ritter ihre eigenen Tugenden nicht ernst genommen und sich somit auch in der Bevölkerung nicht unbedingt einen guten Ruf erarbeiteten.

Von den Anfängen des Rittertums lässt sich ab der ersten Hälfte des 8. Jahrhunderts nach Christi Geburt sprechen. Eine Zeit, in der Anhänger des Propheten Mohammeds nach der Herrschaft über Westeuropa trachteten, nachdem sie schon Vorderasien und Nordafrika erobert hatten. Spanien war das erste Angriffsziel, wo die ausländischen Truppen im Jahr 711 an der Südküste landeten. Eine weit überlegene christliche Armee konnte nichts gegen die Kämpfer Allahs ausrichten, wodurch diese weiter ins Landesinnere stürmen konnten.

Die Kapitulation der Königsstadt Toledo ebnete 713 den Weg zu den Pyrenäen, welche das Grenzgebirge zu Frankreich darstellten. In diesem Religionskrieg erweckten die Franken Misstrauen und bauten eine Armee auf. Die fränkischen Panzerreiter – die Vorgänger der Ritter - errangen im Jahr 732 in einer zweitägigen Schlacht den Sieg gegen die islamischen Krieger und begannen mit der Rückeroberung Spaniens.

Wer konnte ein Ritter werden?

Um die Ausbildung eines Ritters genießen zu dürfen, musste der Anwärter von adliger Herkunft sein. Mit sieben Jahren trat er seinen Dienst als Page eines Fürsten an, um mit 14 Jahren den Rang eines Knappen zu erreichen. Ab jetzt wurde ihm das Kriegshandwerk gelehrt und er musste die Jagdkunst erlernen. Den Herren zu Feldzügen zu begleiten war seine Pflicht, denn der Knappe musste Lanze und Schild tragen und beim Anlegen der Rüstung behilflich sein. Nach vierzehn Jahren des Dienstes wurde in einer heiligen Zeremonie, der Schwertleite, das Ritterschwert umgelegt. Im 12. Jahrhundert wurde diese Zeremonie in den Ritterschlag umbenannt. Nun hatte der junge Ritter das Recht auf ein Lehen und auf die Teilnahme an Turnieren.

Fehdewesen zur Interessenvertretung

Fehden arteten in den wenigsten Fällen zu direkten Kämpfen zwischen den einzelnen Rittern aus. Sie wurden am Besitz des Feindes ausgetragen, um dort möglichst viel Beute zu erringen. So wurden beispielsweise die Leibeignen Bauern ausgebeutet und Gefangene gemacht, um mit ihnen Lösegeld zu erpressen. Weil es der Öffentlichkeit nicht gelang, für ausreichend Recht und Frieden zu sorgen, diente das Fehdewesen ursprünglich als Selbsthilferecht eines Ritters. Trotz der Tugenden eines Ritters verkam dieses Recht im Laufe der Zeit immer mehr zu Raubzügen, wodurch auch beispielsweise Götz von Berlichingen zu enormen Reichtum kam.

Der Zweikampf war Bestandteil des Fehdewesens. Recht hatte immer der, der diesen Zweikampf gewann. Die Menschen des Mittelalters sahen den Ausgang solch einer Zusammenkunft als eine Art Urteil Gottes an, ohne dabei auf die körperlichen Gegebenheiten zu achten. Folglich war der, der am meisten Kraft hatte oder die bessere Technik beherrschte immer ein wenig gläubiger und braver, als der andere.

Inwieweit sich das Fehdewesen bzw. die daraus entstandenen Raubzüge mit den ritterlichen Tugenden vereinbaren lassen, sei dahin gestellt. Mut und Geschicklichkeit waren zwei der Tugenden. Die lange militärische Ausbildung befähigte einen Ritter in voller Rüstung Reiten zu können und mit den Lanzen, die bis zu sechs Meter lang sein konnten, noch zielgenau zu treffen. Zu den obersten Werten eines Ritters sollten Ehre, Treue, Tapferkeit, Standhaftigkeit und Tapferkeit gehören. Sie waren es, die dem Schutz der Schwachen oder Unterdrückten dienen sollten. Viel zu oft wurde aus einem Ritter ein Raubritter, der mordete und brandschatzte, um seinen eigenen Wohlstand zu sichern.

Das Ende einer glanzvollen Zeit

Söldnerheere und Feuerwaffen machten Ritter zu einem leichten wie auch überflüssigen Ziel. Die Rüstungen hatten den durchschlagenden Erfolgen der Kanonen nichts mehr entgegenzusetzen. Einige Ritter, die sich nicht schon vorher auf die falsche Seite gestellt hatten, hielten an ihren Tugenden fest und nahmen weiterhin an Turnieren teil. Rund vierhundert Jahre fanden beispielsweise in Würzburg Ritterturniere statt. Die Verarmung dieses Standes war vorprogrammiert, weil die Löhne sich nicht an die Weiterentwicklung der Städte anpassten.

Wer bis zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Pfad der Tugend wandelte, hatte spätestens jetzt kaum eine andere Wahl. Aus edlen Herren wurden rücksichtslose Kriminelle, die sogar die eigenen Bauern überfielen, sie ausraubten und oftmals in den Tod schickten. Händler, Kaufleute, ganze Städte und Dörfer waren nicht sicher. Besonders in der Zeit, als das „Heilige deutsche Reich römischer Nationen“ ohne Führung war, nutzten die Raubritter ihre Position aus. Erst mit einem neuen Oberhaupt an der Spitze der Macht wagte man es, gegen die Raubritter vorzugehen und dem Treiben einhalt zu gebieten. Jene, die erwischt wurden, bestrafte man öffentlich und richtete sie hin. Dieses Vorgehen zeigte Wirkung und die Epoche der Raubritter fand ein Ende.

Die Ritterrüstung

Die Schutzkleidung der Krieger gegen die Waffen- und Schwerthiebe bezeichnete man als Rüstung oder Harnisch. Eine derbe Lederkleidung diente vorerst der Milderung von Verletzungen. Bereits im 7. Jahrhundert vor Christus gab es schon Vollpanzer aus Bronze und später aus Eisen. Das Panzerhemd kannte man bereits seit dem 1. Jahrhundert vor Christus, sowohl als Ring- wie auch Kettenpanzer. Später wurde noch der Schuppenpanzer entwickelt. Im 13. Jahrhundert löste der aus festen Eisenplatten bestehende Harnisch diese Rüstung wieder ab.

Die Rüstung diente aber nicht nur der Abwehr, sondern auch der Präsentation. War die Abstammung hoch, erkannte man dies sofort an der wertvollen Rüstung und Ausstattung eines Ritters. Sie bestand aus vielen Einzelteilen, was die Bewegung und das Anlegen erleichtern sollte. So gehörte beispielsweise der Brustpanzer, Plattenschurz mit Bauchreifen, Schwebescheibe (für die seitliche Brust), Achsel bzw. Schulterpanzer, Armkachel für den Ellenbogen, Unterarmröhre, Handschuhstulp, Handdecke, Beintasche bzw. Tassette, Diechling für den Oberschenkel, Kniekachel, Beinröhre für den Unterschenkel und Eisenschuh mit Sporen oder später dem absteckbaren Schnabel zur Ausrüstung.

Der Helm war zunächst aus Fell und Leder gearbeitet. Später löste der Bronzehelm ihn ab. Stirn- und Nackenschirme sowie Backenstücke waren Bestandteile dieser Kopfbedeckung. Seit dem 13. Jahrhundert wurde der geschlossene Topfhelm oder auch Kübelhelm, welcher mit Schlitzen für die Augen versehen war, getragen. Darunter trug der Ritter die lederne oder eiserne Kesselhaube, wodurch der Helm fest auf dem Kopf saß. Mit der Weiterentwicklung kam der auf Brust und Rücken aufliegende Stechhelm hervor. Ab dem 15. Jahrhundert trugen die Ritter auf dem Felde einen geschlossenen Helm mit Visier.

Neben der Lanze besaß der Ritter als Hauptwaffe ein zweischneidiges Schwert, welches mit einer Länge von circa 80-90 cm schreckliche Verletzungen hervorrufen konnte. Mit einem Schlag konnte ein Mann von der Schulter bis zum Oberschenkelknochen zerfetzt werden. Aus Gründen des Schutzes wurden die Rüstungen um den Ritter herum immer extremer, wodurch auch auf dem Schlachtfeld ein Freund nicht mehr von einem Feind unterschieden werden konnte. Die Wappenkunde erleichterte diesen Vorgang, denn nun konnte man anhand des Wappens erkennen, um welche Herren es sich unter der schützenden Rüstung handelte. Diese Abzeichen wurden auf den Waffenröcken angebracht, die über der Rüstung angelegt wurden. Weiter auf dem Schild, der Decke des Pferdes (Schabracke) und in manchen Fällen auf dem Helm als Helmzier.





© Dark Fashion Shop
Der Text ist urheberrechtlich geschützt.
Eine Verlinkung auf den Text ist ohne weitere Genehmigung gestattet.
 

      Mittelalter ALLE Preise inkl. 19%MwSt zzgl. Versandkosten   

 

 
Gothic Toplist by nachtwelten    NOIZEinfo Top 100    Schwarzes Reich Toplist   
 
  Mittelalter-ABC | Das Nachschlagewerk im Internet rund ums Mittelalter